Ich entschied mich dann, doch nicht weiterzugehen in den Beihai Park (auch wenn der gleich neben an ist), sondern noch ein bisschen zu verweilen, mich auf eine Bank zu setzen und der chinesischen Tanzgruppe beim Training zu zuschauen. Als die Sonne langsam verschwand und es kälter wurde machte ich mich auf den Heimweg – der sich etwas hinzog, da ich mich für einen
Zwischenstopp im National Art Museum entschied.
Es gab eine Sonderausstellung des berühmten Lu Yanshao, der eine Ausbildung in chinesischer Malerei genoss, aber sich erst in den 80er Jahren ganz ohne Einschrängkungen der chinesischen Landschaftsmalerei widmen konnte– sehr schön. Dann ging es weiter in den nächsten Raum. Und hier wurde es interessant, denn es gab kein System der Anordnung der Gemälde – weder nach Künstler noch nach Stil. Vielleicht ja chronologisch nach Entstehung des Bildes oder Geburtsjahr des Künstlers. Also Stillleben hingen neben Landschaften und Porträts. Das beeindruckendeste Bild war die nackte Chinesin auf einer (westlichen) Toilette sitzend aus einer Wasserflasche trinkend.
Als ich das Museum verlassen wollte kam ich noch an einer Max Mara Ausstellung (italienisches Modelabel) vorbei. An den Wänden hingen einige Skizzen von Mänteln aus den 1920er und 1930er Jahren sowie einige Modezeitschriften. Erwähnenswert ist dies, da es sich hierbei um Leihgaben der Kunstsammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin handelte und ich die Texte in den Zeitschriften lesen konnte. Ist schon komisch. Auf jeden Fall muss ich nochmal in das Museum, denn ich schaffte nur eine von drei oder vier Etagen.
Im Übrigen ist es in Chinesischen Museen (oder zumindest in diesem) erlaubt alle Gemälde zu fotografieren, was es für mich etwas schwierig machte die Bilder anzuschauen, da ich mir die Chinesen, die mit ihrer Kamera vor den Bildern standen, immer wegdenken musste.
Donnerstag: Von Erfolgen und Misserfolgen.
Nach meinem nachmittäglichen Nordic Walking-„Ausflug“, bei dem ich jedesmal mehr freundliche Gesichter sehe, beschlossen Susann und ich ein Massagestudio aufzusuchen. Ich hatte da irgendwo bei uns in der Nähe mal ein Schild gesehen „CHINESE MASSAGE“. Voller Vorfreude gingen wir dorthin. Besagtes „Studio“ befindet sich in einem Wohnhaus im Erdgeschoss. Etwas skeptisch gingen wir hinein und sahen auch im Haus ein Schild und eine offene Tür. Vorsichtig schlunzten wir um die Ecke und sahen, dass es noch ein bisschen weiter in die Wohnung hinein ging, aber vorn im ersten Raum saß ein Chinese im weißen Kittel auf einer Bridge (oder einem Sofa?). Er hatte eine Nickelbrille auf der Nase, die Beine überschlagen und schaute fern, während er auf Kundschaft wartete. Ich weiß nicht ob er uns gesehen hat, wir jedenfalls sahen ihn und waren ganz schnell wieder raus aus dem Haus und um die Ecke geflitzt. Das sah doch sehr merkwürdig aus. Wie Susann so schön bemerkte: „Es sah aus, als wollten die uns betäuben und uns dann eine Niere entfernen und uns dann auf die Straße legen.“
Enttäuscht begaben wir uns auf die Suche nach einem anderen Massagestudio. Leider Erfolglos. Als wir so umherliefen entdeckte ich sie plötzlich - die erste Chinesin mit Nordic Walking Stöcken. Ich wusste es, die Chinesen werden es mir nachmachen! Okay, die Technik von ihr war nicht perfekt, aber immerhin. Auch sie wurde von anderen Chinesen eher kritisch beäugt, aber die werden schon noch sehen, dass das eine gute Sache ist. Und dann passierte es, kurz darauf kam der nächste chinesische Nordic Walker. Wer hätte das gedacht. Du Mei Yan erzählte mir dann gestern noch von einer Reportage im (chinesischen) Fernsehen über Nordic Walking. Konnte ICH in so kurzer Zeit soviel bewirken????????
Naja, ein Massagestudio fanden wir an dem Abend nicht mehr. Also entschieden wir uns für ein Frustessen in unserem Lieblingsrestaurant.
Freitag: Unterricht am Wochenende.
Wir hatten Dienstag nicht umsonst frei. Der Prof befand sich irgendwo im Mittleren Osten zu einer Konferenz und verlegte den Kurs (wie bereits zweimal zuvor) auf Freitagnachmittag, 15:30 Uhr bis 18:15 Uhr – weil es so schön war überzog er gleich noch ein bisschen.
Im Anschluss fuhr ich mit Du Mei Yan nach Wudaokou zum Pizzaessen. Man, war das lecker. Während wir mit je einer Pizza ganz schön zu tun hatten und auf das Dessert (Pu Ding) verzichteten, hauten die Chinesen neben uns ganz schön rein. Als wir kamen aßen sie (ein Ehepaar) Kartoffelspalten. Während wir noch auf unsere Pizza warteten, bekam der Mann einen Teller Spaghetti Bolognese – seine Frau bekam davon und von den nachfolgenden Gerichten immer ein bisschen ab. Anschließend ein schönes Steak, gefolgt von kleinen Pan Cakes und einer Pizza. Das Dessert (den Pu Ding) nahmen sie dann mit nach Hause. Du Mei Yan und ich strebten nach dem Essen das LUSH an, eine nette Bar, in der es freitags Livemusik for free gibt. Auf dem Weg dahin schwenkten wir noch in den einen oder anderen Laden. Das LUSH befindet sich in einem Buchladen und ist total unscheinbar. Wer mich kennt weiß, dass ich durch Buchläden nicht einfach durchgehen kann, sondern immer auch ein bisschen stöbern muss. Das tat ich auch in diesem. Wir können zwar keines der Bücher lesen, da alle Chinesisch sind, aber das ist ja egal. In der Kinderecke entdeckte ich ihn dann plötzlich, den kleinen Maulwurf (小鼹鼠). Es ist zwar auf Chinesisch, aber da es ein Kinderbuch ist, können wir den Großteil sogar lesen, also wurde der kleine Maulwurf gekauft.
Cocktails und Livemusik im LUSH waren super. Vielleicht gibt es ja noch einen Kommentar von Du Mei Yan dazu ???
Samstag: Unterricht am Wochenende – Ausflug mit unserem HRM-Kurs.Den Zusammenhang zu Human Resources Management haben wir zwar nicht ganz verstanden, aber es war interessant. 10:00 Uhr war Treffpunkt auf dem Campus. Wir fuhren mit dem Bus ca. 40 Minuten, Richtung Nordosten (?). Irgendwo im Nirgendwo hielten wir an. Wie uns der Professor erklärte, ist der Pre-Olympic Park eine Art Präsentation dessen, wie die Leute früher auf dem heutigen Olympia-Gelände gelebt haben. Also ein Dorf derer, die ihre Wohnungen verlassen mussten um dem Olympia-Park Platz zu machen. Wir haben es zugegebener Maßen nicht ganz verstanden. Aber es war doch irgendwie interessant. Naja, eigentlich waren wir auch nur zum Essen da. Vorher hatten wir noch etwas Zeit uns im Gelände umzusehen. Beinahe hätten wir ganz viele Haustiere gehabt, denn vor dem „Dorf“ gab es Hundewelpen zu kaufen - och sind die süüüüüüüüüüüüüüüß – und im „Dorf“ liefen auch noch kleine Katzen umher.
Nach dem Essen ging es weiter, 10 Minuten mit dem Bus in ein Künstler-Dorf. Hier besuchten wir vier Galerien bzw. Ateliers von Bildhaueren, Malern und so. Irgendwie alles sehr interessant und ganz schön schwer zu beschreiben. Schaut Euch einfach ein paar Bilder dazu im Album an.
Abends haben wir dann versucht Monika ein bisschen Deutsche Filmkunst näher zubringen und haben „Die Welle“ mit chinesischem Untertitel geschaut.
Heute steht ein Ausflug mit Xi Yue an, wir wollen in ein Museum gehen – hab vergessen in welches.
Und Suzzan hat sich soeben auf den Weg zu einem Antiquitäten Markt gemacht. Bin schon total gespannt auf ihren Bericht.
4 Kommentare:
Schön, dass Ihr wiedermal was Neues von Peking kennengelernt habt. Die Figuren sind wirklich sehr schön und würden in unseren Garten passen.
Aber auch die Gegensätze sind ziemlich krass.
Noch eine schöne Zeit in Peking wünschen Euch die
Erdmannsdorfer
hallihallohallöle und viele Grüße aus dem tiefen Westen. Mensch Tanja, du kannst mich doch nicht so erschrecken und einfach im Büro anrufen??!! Das verkraftet mein kleines Herzchen nicht mehr auf seine alten Tage...und schon gar nicht, wenn ich dann auch noch zu allem Übel gefühlte 3 Sekunden später in eine Telko muss...
Nein, Spaß bei Seite: hab mich gefreut wie ein Schnitzel von dir zu hören, wenn ich auch vor lauter Verdatterung gar keine ganzen Sätze rausgekriegt hab.
Ansonsten hier alles schön wie immer, Weihnachten naht und ich darf die Björn Köhler Figuren bald wieder auspacken...also auch hier im Westen ein kleiner Hauch von Erzgebirge ;-)
ah, da fällt mir ein: hab diese Woche wieder ein neues Wort gelernt: Ich weiß jetzt, dass man in de Kofi geht, wemma was braucht.
So, genug Heimat von mir für heute!
Liebe Grüße
Jutta
Hi Tanja, viele liebe Grüße aus dem nicht ganz so fernem Osten. Mit Begeisterung habe ich Deine Berichte gelesen (okay, den Oktober habe ich noch nicht geschafft) und freue mich richtig, wie es Dir geht. Ich werde mal etwas regelmäßiger hier hereinschauen, um die Daily Reality Show nicht zu verpassen. Viele Grüße ...
... ich hab nun auch den Rest gelesen und gelobe regelmäßig eure Abenteuergeschichten zu lesen. Fast besser als das Mosaik =c)
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