Freitag, 3. Oktober 2008

Unsere Ferienerlebnisse

Was wir in den letzten Tagen erlebt haben glaubt ihr uns nie.
Damit wir in den Ferien nicht im „langweiligen“ :-) Beijing rumsitzen müssen, buchten wir letzte Woche eine 3-Tagesreise in die Innere Mongolei. Nicht zu verwechseln mit der Mongolei.
Die Innere Mongolei ist ein Autonomes Gebiet der Volksrepublik China, unweit von Beijing. Naja, sieben Stunden mit dem Bus sind es schon gewesen.

Aber von vorn:
Am Dienstagmorgen klingelte der Wecker zu einer unchristlichen Zeit, denn 06:00 Uhr hieß es Abfahrt in Wudaokou (Stadtteil von Beijing), und dort mussten wir schließlich auch noch hinkommen. 05:15 traf sich also das Zwickauer Quartett um mit dem Taxi zum Ausgangspunkt unserer Reise zu gelangen. Taxen standen durchaus vor unserer Uni, aber wo waren die Fahrer? Die lagen auf der Rückbank und haben geschlafen. Wir weckten also einen, durch klopfen an der Tür, und fuhren los. Viel zu früh waren wir dann also in Wudaokou, wo wir auf den Bus und die englischsprachige Reiseleitung. Wie sich sehr bald herausstellen sollte, war diese nur ein Gerücht und die Reiseleiterin sprach nur chinesisch. Kurz vor 06:00 kamen zwei Busse angefahren – unsere Busse. Es gab zwei Reisegruppen, eine 3-Tagesreise und eine 4-Tagesreise, und so waren dann auch die Busse aufgeteilt. Als wir dass noch nicht wussten stellten wir uns vor den etwas Neueren, da der andere so aussah, als würde er die Reise nicht überstehen. Leider wurde uns dann doch der alte Bus zugeteilt. Ganz Europäer besetzten wir die letzten beiden Reihen, wie früher im Schulbus. Vor uns setzten sich noch zwei Kroaten – Zoran und Petra - mit denen wir in der kommenden Nacht eine Jurte teilten, aber dazu später mehr.
Wir saßen also im Bus und fuhren und fuhren und fuhren. Nach 7 Stunden Fahrt kamen wir in Hohot, der Provinz-Hauptstadt, an und aßen zu Mittag (eher zu Nachmittag). Gesättigt ging die Fahrt weiter, nach zweieinhalb Stunden bogen wir von der asphaltierten Straße auf einen Schotterweg ab und fuhren durch die innermongolische Steppe an diversen Ansammlungen von Jurten vorbei. Wir dachten zwischendurch ein paar Mal, dass der Bus -bei diesen Schlaglöchern- auseinanderbrechen wird, aber er hielt.
Kaputt von der Fahrt kamen wir gegen 18:00 in unserem Dorf an. Auf dem Plan stand für den ersten Tag noch ein Ausritt auf Mongolischen Pferden, der auf Grund der Uhrzeit aber nicht mehr stattfand. Der versprochene Wrestling-Kampf (Bild im Webalbum) wurde uns noch gezeigt, war aber eher harmlos. Viel beeindruckender war der Sonnenuntergang in der Steppe. Und wenn wir nicht Japaner und Koreaner in der Reisegruppe gehabt hätten, wäre es auch noch richtig ruhig gewesen. So blieb uns nichts anderes übrig, als durch bewusstes Atmen und sonstigen autogenen oder „yogistischen“ Tricks die Geräusche auszublenden, um den Sonnenuntergang zu genießen. Das Ausblenden der Geräusche gelang mir dann auch nach dem Abendessen (Lamm – oder eher Hammel?) ganz gut, als ich den Sternenhimmel betrachtete. Ich kann mich nicht erinnern die Sterne jemals so klar gesehen zu haben, trotz der Wegbeleuchtung im Camp war es stockfinster und man konnte sogar die Milchstraße ganz deutlich sehen. Es war atemberaubend!
Nach dem Essen trafen sich alle zu Bier und anderen Getränken in der Bar – es gibt zwar sonst nix, aber eine Bar ist vorhanden – und draußen wurden noch ein paar traditionelle Tänze aufgeführt und Lieder gesungen. Wie oben schon angekündigt, hatten wir uns auf der langen Busfahrt also mit den Kroaten angefreundet und beschlossen mit ihnen eine Jurte zu teilen.
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um 06:00 Uhr, denn wann hat man schon mal die Möglichkeit im Nirgendwo einen Sonnenaufgang zu beobachten? Gewappnet mit unserem Brot und Blaubeermarmelade, welches wir aus Beijing mitgebracht haben, machten wir uns also zum Rand des Camps auf, um dort in aller Ruhe den Tagesanbruch zugenießen – ebenfalls traumhaft. Wir kamen uns zwar vor wie am Nordpol, waren wir doch in unsere Winterjacken eingemummelt, aber es war einfach nur schön. Danach ging es zum Mongolischen Frühstück: Reissuppe, Mantou (Hefekloß), Ei und komischen sauer eingelegtem Gemüse. Gut, dass wir schon eine Grundlage gebildet hatten. Zu trinken gab es im übrigen Milchtee… … wir hatten immerhin etwas Warmes im Magen.
Nachdem Frühstück riefen unsere Reiseleiter schon wieder „kuai, kuai yi dianr“, was soviel heißt wie „schnell, schnell“. Jetzt wurde der Ausritt auf den mongolischen Pferden angeboten. Es gab drei verschiedene Touren für drei verschiedene Preise – von 4,5h bis 1h (von 200 RMB bis 50 RMB). Also wenn wir überhaupt reiten, dann nur eine Stunde für 50 RMB, schließlich war das der Preis, der im Prospekt stand. Nach langem Hin- und Her saßen wir drei Mädels dann doch auf so einem mongolischen Gaul (meiner war 10 Jahre alt). Irgendwie hatte ich es verpasst und war in einer anderen Gruppe gelandet als Suzzan und Du Mei Yan und hatte noch mehr Schiss als vorher, da ich ja den chinesischen Guide nicht verstehen konnte und neben mir sah ich erst auch nur Koreanerinnen, die nicht so gut Englisch sprechen konnten. Zumindest konnte mir die eine aber sagen, was ich mit den Zügeln machen muss, wenn der Gaul nach links oder rechts laufen soll bzw. wenn er anhalten soll. Später entdeckte ich auch noch ein Mädel aus der Karibik, die schon ein paar Jahre in China lebt und da fühlte ich mich etwas sicherer, konnte ich mit ihr doch Englisch sprechen. Die Landschaft um mich herum konnte ich leider nicht richtig genießen, da ich mich ganz sehr auf das Pferd konzentriert hatte. Der Guide wollte immer, dass wir schneller reiten und hat die Pferde angetrieben, aber nicht mit mir. Ich hab immer schön die Bremse gezogen. Nach der Stunde sind wir wieder im Camp angekommen und ich wollte absteigen. Bis dahin hat sich das Pferd ja noch ganz gut verhalten, aber als ich runter wollte muckte der blöde Gaul doch tatsächlich rum und ich hatte so Angst, dass der mich noch abwirft. Zum Glück hatte der Guide das unter Vieh unter Kontrolle bekommen. Jetzt war ich doch froh, dass ich unten war und festen Boden unter den Füßen hatte. Und ich bleibe bei dem Satz: „Ich mag Pferde, ich schaff nur kein Ganzes.“
Da die anderen Gruppen noch unterwegs waren, schnappten wir uns die rumstehenden Gartenstühle, unsere Tagebücher, MP3-Player, Bücher und Kekse und pflanzten uns in die Sonne. Dadurch haben wir irgendwie das Mittagessen verpasst und uns blieben nur noch die Rester. Naja – bei uns gab es ja Kekse, also war es nur halb so schlimm.
Wieder hörten wir die Reiseleiterin „kuai, kuai yi dianr“ rufen und liefen in unsere Jurten, um die Rucksäcke zu packen. Es sollte nämlich gleich -am Ende war es eine halbe Stunde später- losfahren. Das nächste Ziel war die Wüste. Als der Bus endlich startete und die Schlaglöcher alle wieder mitgenommen hat kamen wir wieder durch Hohot und wir fuhren und fuhren und fuhren. Nach ca. 4.5h kam der Bus zum stehen, in einem Inner Mongolischen Camp (so ähnlich wie wir es am Mittag verlassen hatten). Hier soll Wüste sein? Hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt. Ein paar Meter weiter stand ein komisches Gefährt, irgendeine Mischung aus Truck und Bus. Und hier sah es auch schon fast aus wie Wüste. Für dieses Gefährt mussten wir umgerechnet 6€ bezahlen, aber nach der langen Busfahrt wollten wir auch die Wüste sehen. Die Fahrt war ganz schön lustig, wie Achterbahn (nur ohne Sicherheitsgurt), die Sanddünen hoch und wieder runter. Und wir konnten noch das Abendrot sehen, den eigentlichen Sonnenuntergang haben wir leider knapp verpasst.
Nach fünf oder zehn Minuten sahen wir sie dann plötzlich vor uns: KAMELE. Wir zögerten nicht lang und erwarben uns das Recht auf ihnen zu sitzen und eine halbstündige Tour zu machen. BILD Auf dem Kamel fühlte ich mich wesentlich sicher als auf dem Gaul am Morgen. Saß ich doch durch die Höcker vor und hinter mir wesentlich fester im Sattel. Auch waren die Kamele aneinander gereiht und ganz vorn lief ein Mongole, der die Kamele führte. Was für ein Erlebnis, einfach nur unbeschreiblich – sorry Leute!
Nach dem Ritt ging es mit dem „Achterbahn-Gefährt“ wieder zurück zum Camp, wo wir Abendessen bekamen und einem mongolischen Fest beiwohnen konnten. Aber das Vergnügen dauerte nicht lang an denn wir vernahmen schon wieder die Worte „kuai, kuai yi dianr“ von unserer Reiseleiterin. Schnell noch der Gang zur Toilette, bevor wir wieder in den Bus steigen, wobei wir das Erlebnis nicht mit Euch teilen wollen!
Nun saßen wir wieder im Bus und fuhren und fuhren und fuhren. Wir wussten, dass wir auf dem Weg zum Hotel waren, nur keiner von uns hatte auch nur eine Ahnung dass sich dieses in Hohot befindet, sodass wir weitere 5 Stunden im Bus saßen. 0:30 Uhr erreichten wir endlich die Hauptstadt und unser Hotel. Juhu, endlich ein richtiges Bett und eine Dusche, deren Gebrauch wir allerdings auf den Morgen verschoben, da es zu unserer Ankunftszeit (zumindest im Bad von Suzzan und mir) nur noch kaltes Wasser gab. Nach einer erholsamen Nacht, einer warmen Dusche und einem reichlichen Frühstück war es Zeit für die Abfahrt. Wir blieben in Hohot und kamen nach nur einer halben Stunde Busfahrt bei einem Tempel „Hohot Five Pagoda“ an. Hier hatten wir eine Stunde Zeit zur Besichtigung des Tempels, bevor der Bus weiterfuhr um uns in eine Verkaufshalle zu chauffieren. Das Zwickauer-Quartett blieb standhaft und hat kein Geld ausgegeben :-). Mittagessen gab es im selben Restaurant wie am ersten Tag – leider wieder Hotpot (Feuertopf), aber immerhin war es ziemlich lecker. Nun stand nur noch eine Station auf dem Plan bevor es wieder zurück nach Beijing ging: Das Dinosaurier-Museum. Zum Glück war es schwierig Karten zu bekommen und die Schlange war auch ganz schön lang. So waren wir uns alle einig, dass wir keine Lust hatten und gleich in die chinesische Hauptstadt zurückfahren wollten. Nach siebeneinhalb Stunden, einigen Staus, mehreren Vollbremsungen und einer verpassten Ausfahrt (um nicht die nächste zu nehmen, setzte der Bus einfach auf der Autobahn zurück und konnte so die gewollte Abfahrt runterfahren) erreichten wir todmüde und hungrig Beijing.

Heute ließen wir es also ruhig angehen, was nicht schwierig war, denn die Stadt ist wie ausgestorben – sind doch alle Chinesen bei ihren Familien oder im Urlaub. So war es heute sogar möglich in der U-Bahn einen Sitzplatz zu bekommen, aber leider sind auch die Starbucks Cafe’s in den Geschäftsvierteln geschlossen…

Sonntag, 28. September 2008

Eine Rikscha-Fahrt ist lustig...

Bevor ich meinen Pyjama-Abend mache (hab Sturmfrei, weil Suzzan mit Du Mei Yan auf’m Nachtmarkt ist) will ich noch schnell von den letzten Tagen berichten.
Wie ihr von Susann schon wisst, ist Nadja zu Besuch. Die letzten Tage haben wir viel unternommen. Gestern waren wir erst in der Verbotenen Stadt – ich hatte vergessen wie groß die ist. Eigentlich wollten wir uns ganz viel Zeit lassen und uns alles schön anschauen. Am Anfang, als wir noch Kräfte hatten, gingen wir mal nach links in eine der Ausstellungen. Das ist schon ziemlich imposant, wie weit entwickelt die Chinesen vor tausend Jahren schon waren. Nach zwei Stunden kam leider der Hunger dazwischen und außerdem taten uns die Füße weh, sodass wir nur den Hauptweg sahen, den auch jeder „stinknormale“ Tourist, der in einer Reisegruppe reist, gezeigt bekommt. Die meisten Hallen, die im Reiseführer auch beschrieben sind befinden sich im Nordteil der verbotenen Stadt. Die konnten wir uns leider nicht mehr anschauen – aus oben genannten Gründen. Wir hatten den Kaiserpalast, wie die verbotene Stadt auch genannt wird, vom Südtor her aufgerollt, dort wo Mao einen begrüßt. Gut, dass ich noch ein bisschen länger in Beijing sein werde, um mir den Rest auch noch in aller Ruhe anschauen zu können.
Als wir zum Nordtor rauskamen stürzten sofort zwei Chinesen auf uns zu die uns eine Rikschafahrt verkaufen wollten– die anderen Händler mit ihren Postkarten und Beijing-Büchern haben wir gekonnt ignoriert. Nach einigem verhandeln und nachdem wir ihnen begreiflich gemacht haben, dass wir erst was essen wollen, willigten wir in die Rikschafahrt durch die Hutongs ein. Schließlich gehört das dazu, wenn man Beijing erleben möchte. Wir wurden also zu erst in ein Restaurant geführt, indem es zum Glück wirklich preiswert war, welches auch schon ein bisschen Hutong-Stile, denn eine Toilette gab es nicht im Restaurant. Stattdessen mussten wir über den Hof in eine öffentliche Toilette –die war glücklicherweise relativ sauber.

Eine Rikschafahrt ist lustig…
So ein Hutong ist ja nun schon sehr alt, besteht aus alten Häusern und aus schmalen Wegen, denn als es erbaut wurde gab es noch keine Autos. Was will ich damit sagen? Eine Rikscha passt gerade so durch diese Gasse und manchmal sind diese auch ganz schön uneben. Jedenfalls stelle ich es mir so ähnlich auf einem Kamel vor, okay vielleicht noch ein bisschen unbequemer – aber das werden wir Euch gegen Ende der Woche berichten können.
Aber es war auch sehr interessant, denn die Fahrer haben uns auch einiges erklärt, welche Häuser aus der Qing-Zeit und welche aus der Ming-Dynastie waren (zu erkennen an den Türen) und ob da höhere Minister oder Minister niedrigeren Ranges drin wohnten. Das interessanteste überhaupt fand ich aber, dass damals eine Familie in einem Haus/Hof gewohnt hat und sich heute 10 – 20 Familien eines teilen.
Als wir dann am Ende der Fahrt bezahlen sollten stellte ich fest, dass mein Chinesisch doch noch nicht so gut ist. Hatte ich doch vorher bei unserer Verhandlung verstanden, dass wir pro Rikscha 80 Yuan bezahlen sollten. Jetzt waren es plötzlich 80 Yuan/Person (und wir waren zu dritt auf 2 Rikschas verteilt). Die beiden waren dann soweit, dass sie mit 200 Yuan zufrieden waren – aber Nadja’s Papa war es nicht. So drückte er ihnen einfach 160 Yuan in die Hand und wir gingen. Etwas verärgert ließen sie uns gehen – für sie war es trotzdem kein schlechtes Geschäft.

Den Abend verbrachten drei auf dem Nachtmarkt, aber ich konnte niemanden dazu bringen Seepferdchen oder Schafpenis zu essen (mich selbst eingeschlossen). So blieben wir bei Lamm und Hühnchen am Spieß, was sehr lecker war. Während ich zu Hause sitze, Blog schreibe und gleich die alten DVDs anschaue, sind alle anderen wieder auf dem Nachtmarkt unterwegs. Bin gespannt ob es morgen Berichte über den Verzehr von Raupen und anderem Getier geben wird.

Heute gab es ein ganz besonderes Highlight. Nadja’s Papa ist mit Professor Cao von der Pekinger Musikhochschule befreundet. Jener Professor gab heute ein Konzert, d.h. er moderierte und seine Studenten musizierten. Spezialität ist das Akkordeon. Ich war ja schon sehr gespannt, denn Akkordeon bringe ich immer mit Volksmusik in Verbindung und das ist nicht gerade meine bevorzugte Musikrichtung.
Aber zu erst muss ich von der Konzerthalle berichten, die befindet sich nämlich im neugebauten National Grand Theater. Dieses ist eine riesige Glaskuppel, umgeben von einem Wassergraben. Ich bin drum herumgelaufen und habe einfach keinen Eingang gefunden, bis mir ein Polizist den Weg gezeigt hat. Der Eingang befindet sich nämlich ein paar Meter entfernt und ist unterirdisch. Von unten sieht man dann durch eine gläserne Decke jenen Wassergraben – architektonisch schon ein Meisterwerk, aber wenn da mal ein Riss in der Decke ist…
… in diesem Gebäude befinden sich neben dem Konzertsaal auch noch der Opernsaal und ein Theater (glaube ich). Gigantisch!
Das Konzert war sehr schön. Ich war überrascht, wie vielfältig Akkordeon-Musik sein kann. Ich hab sogar den Gewinner der Kategorie 3 (der bis 18-jährigen) vom Klingenthaler Akkordeon-Wettbewerb 2007 live gesehen :-) - wenn das mal nix ist.
Nach dem Konzert gingen wir kurz Backstage, um ein paar Worte mit dem Professor zu wechseln, um dann nochmal ein paar Fotos von uns auf der Bühne zu machen.
Vielmehr ist heute nicht passiert, außer dass wir noch Essen waren und ich dann völlig kaputt nach Hause gefahren bin.
Hatte ich erwähnt, dass das Konzert 10:30 Uhr los ging, wir eine Stunde früher das sein sollten (um unsere Freikarten zu bekommen) und ich eine Stunde für den Weg brauchte?
Nein? Na dann wisst ihr es jetzt und ihr könnt Euch auch ausrechnen, wann ich aufgestanden bin – und das zum Sonntag. Zum Glück haben wir ab morgen Ferien und ich kann morgen ausschlafen.

Also, ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntagnachmittag und mir dann eine gute Nacht.

Samstag, 27. September 2008

Hi ihr Huebschen!

Eigentlich hab ich gar nichts zu berichten, aber mir ist gerade so nach schreiben - also muesst ihr jetzt damit leben! Du Mei Yan und ich haben das heutige Datum zum "Pyjamatag" erklaert - die Anfaenge dieser Kultur reichen weit in meine Jugend zurueck, darauf will ich jetzt lieber nicht eingehen. Strenge Verhaltensregeln hat dieser Tag im Grunde nicht, man kann sich alles erlauben, das tun, nach dem man Verlangen verspuert, unter einer Bedingung: Schlafanzug tragen! Ich hab mir zur Feier des Tages gerade ein Cappuccino Instandpaeckchen von Tanja geklaut (sie wird sich dafuer irgendwann an meiner Schokolade vergreifen, ich weiss es) und esse undefinierbaren Rosinenkuchen zum Fruehstueck. Geweckt wurde ich doch unerhoerterweise halb 12 von irgendeiner Abruchmaschine in der Nachbarwohnung, die renovieren gerade. Bin aufgestanden um mir meine Ohrstoepsel zu holen, als mein Blick doch auf die Uhr fiel. Huch! Jetzt muss ich natuerlich noch erklaeren, warum wir hier im Land der Kuriositaeten (es gibt keine 40 cent Billigschokolade!!!) doch ueber erwaehntes Luxusgut verfuegen - Importiert wurde die Schmuggelware von Nadia, die vorgestern hier bei uns eine Geschenkuebergabe veranstaltet hat - DANKE DANKE DANKE an alle in Einsiedel und Erdmannsdorf!!! (da kommt tanja doch her, oder...?!)

Wo bleibt Du Mei Yan denn? Hat wahrscheinlich Probleme, mit ihrem Haeschenschlafanzug ueber den Campus zu mir zu kommen. Na ich geb ihr noch ein paar Minuten. Hab uns gestern extra noch eine mit Liebe ausgesuchte Auswahl an Filmen zusammengestellt - Cary Grant, Marilyn Monroe, Marlon Brando - als wir in der Nanluogu Xiang auf der Suche nach coolen Geschenken fuer unsere Leute waren, mit Nadia unterwegs. Du Mei Yan ist jetzt da!! Sie quasselt die ganze Zeit, muss daher aufhoeren zu schreiben - machst gut! Und immer laecheln!


Mittwoch, 24. September 2008

Erstens kommt es anders und Zweitens als man denkt

Dank des guten GUANXI (in Deutschland würden wir vielleicht Vitamin B sagen) habe ich einen recht vielversprechenden Kontakt in Wuxi erhalten. Zum Interview bin ich auch schon eingeladen. Das Problem war bisher einen Termin zu finden, da Wuxi auch nicht gerade um die Ecke ist. Nach langem hin und her haben wir einen Termin für Samstagmorgen ausgemacht. Samstag? Genau, dieses Wochenende ist chinaweit ein Arbeitswochenende, damit dann ab Montag alle eine Woche Frei haben. Am 1. Oktober ist der Nationalfeiertag und offiziell sind drei Tage frei. Es arbeiten nun (fast) alle am Wochenende vorher durch, damit sie dann eine komplette Woche Urlaub machen können. Und genau da liegt das Problem. Denn auch am Wochenende vorher beginnt sich schon die Flut der Reisenden in Bewegung zu setzen. Ich also heute erst mal zum Bahnhof um die Tickets für den Nachtzug zu kaufen. Freitagabend 19:51 Abfahrt in Beijing und Samstagmorgen 08:14 Uhr Ankunft in Wuxi. Zum Glück hatte sich heute „Heidi“, eine Chinesin, die wir in der Botschaft kennengelernt haben, bei mir gemeldet. Ich bat sie mich zum Bahnhof zu begleiten. Tickets hätte ich ohne Probleme bekommen, aber haltet Euch fest: es gab nur noch STEHPLÄTZE! -- Im Nachtzug bei einer zwölfstündigen Fahrt. Na prima dachte ich mir. Da fährst Du jetzt nicht hin, sonst bist Du ja tot. Somit verpasse ich aber auch den Shabbat in Shanghai – schade!Der Reisebericht über Chinesische Hard- und Softsleeper folgt als ein anderes Mal.
Aber es gibt auch einen Erfolg zu vermelden: Suzzan und Du Mei Yan
haben es geschafft unseren Kurztrip in die Innere Mongolei zu buchen. Am Dienstag, 30.09.08 – 06:00 Uhr geht es los – 3 Tage für 53 €. Wir sind schon ganz aufgeregt, vor allem wenn wir an den Ausritt mit den Kamelen denken. Also wundert Euch nicht, wenn ihr nächste Woche mal eine Zeit nichts von uns hört.
Morgen bekommen wir unseren ersten Besuch – Nadja – wir heißen Dich herzlich willkommen 北京欢井你! (Beijing huan jing ni). Dann steht endlich mal Sightseeing in Beijing an.

Montag, 22. September 2008

Zeitreise

Ich melde mich zum Dienst. Ich weiss schon gar nicht mehr, was in den letzten drei Tagen alles passiert ist, daher stell ich das jetzt alles mal mehr oder weniger chronologisch im Zeitraffer zusammen. Schnallt euch an, es geht los:
Ueberraschend gute Reaktion des Koerpers auf fruehes Aufstehen am Samstagmorgen - huebsch machen, Wanderschuhe an, Treffen mit Du Mei Yan, Fahrt mit Taxi zum Treffpunkt am 4. Ring, und auf geht die wilde Fahrt zu Grossen Mauer, 8 Maedels sind wir, im absolut coolen Tourbus mit persoenlichem Fahrer - jetzt getrostet vorspulen, hab alles verschlafen, bis auf hin und wieder ein paar Doerfer mit bunten Bannern, Strassenverkaeufern, Kamele am Strassenrand - Ankunft nach 1 1/2 stunden - Ticketkauf - Lift bringt uns auf den Berg (ich gebs zu, ich hatte Angst, das war hoch, und es waren lauter Araber mit im Wagon) - WIR SIND DA! - also die Hunen kamen von Norden, rechts, die tapferen Krieger standen dort wo wir jetzt stehen, Geschichte pur, man spuert die Geister ehrenhaft gestorbener Kaempfer immer noch, stellt sich vor, wie sie in den Tuermen dicht an dicht gedraengt geschlafen haben, denkt an die Strapazen, die die Maenner auf sich nehmen mussten, um diesen Wall zu erbauen - aber irgendwie verflucht heiss hier, diese abertausende von Stufen und das Ding nimmt einfach kein Ende, also 180° Wendung - Aufteilung der Gruppe - Zwickau-Brigade formiert sich zum kontrollierten Rueckzug, nimmt also den Abstieg in Angriff, es ist kuehler, hier und da ein Esel, und eine fantastisch ausgebaute ca. 500 m lange Treppe - wieder unten - Shopping! - Essen (ohne Ausrufezeichen, denn das war merkwuerdig) - gemeinsames Beratschlagen "Wohin nun?", sind zu frueh da - Fahrer kutschiert uns zu irgendeinem Tempel - Schweine reiten und Glueckstaler werfen - Fahrt zurueck nach Beijing - ich mit Du Mei Yan auf dem Gepaecktrager (Ahhh!!!) auf zum Jaozi und Baozi kaufen, Verzehr neben "Stolz und Vorurteil" Version von 1950 -
Sonntag: Im Bett verpasste 3 Folgen von "Awz" (Insider wissen, was gemeint ist) - Essen zu dritt in der Mensa (lecker und billig) - dann beginnt das grosse Geplane (wie kriegt man Geld abheben, Einkaufen und Reise in Mongolei buchen unter einen Hut?) - Plan geht nicht auf, Geldautomat kaputt, jetzt Slow Motion (koennt ihr noch?) ... es regnet ... Beijinger Platzregen ... Taxi!... Taxi!... Taxi! ... es regnet ... keiner nimmt uns mit ... wir sind nass ... aha, da ist einer - Von Nordost nach Nordwest fuer 4,00 € (ich kann euch die Zeitspanne nicht sagen, aber 40 kuai sind verflucht lang) - es regnet - wo ist Bankautomat? - nach 2 Stunden brechen wir unsere Suche ab, alles ohne Erfolg - Montag: Lernen, Kursgeld bezahlt, Wischeimer gekauft, Besuch von Monika, auf zum Fitnessstudio, Pilates Kurs (oder war das doch Yoga?), 2 mal Krampf, aber lustig - Fahrt zur Huixin Dongjie 14, Fahrrad abstellen, bin zu Hause.
Ich bedanke mich fuer die Aufmerksamkeit und wuensch euch nen klasse Tag

Samstag, 20. September 2008

Tonstudio. Ich hatte mal ein Fahrrad. The Cheatles in der Deutschen Botschaft.

Wie ihr im Titel seht ist gestern einiges passiert.

Aber von Anfang an:
Nach der Uni sind Suzzan, Du Mei Yan, Nina (aus meinem Kurs) und ich zum Westtor der Uni und wurden von einer Chinesin abgeholt. Ziel war eine Art Tonstudio – aber eher semiprofessionell. Wir sollten dort für ein Spracherkennungssystem einer neuen Digitalkamera die Menüführung auf Deutsch sprechen. Jeder von uns saß dreißig Minuten vor einem PC und sagte so Worte wie „An“, „Aus“, „Einzelbild“ … - Wir konnten dadurch den Rest des Abends finanzieren.

Nach diesem „Minijob“ kamen wir zurück zur Wohnung. Und dann die erste Überraschung: Suzzan hatte vergessen ihr Fahrrad im Haus abzustellen. Wir kommen also in unseren Hof und Suzzan sagt zu mir: „Wo ist eigentlich mein Fahrrad?“ Es stand nicht mehr vor dem Haus, was für ein Schreck. Dann aber die nächste Überraschung: Suzzan’s Rad stand im Haus, aber wo ist meins? Ich bin ganz sicher von der Uni mit dem Fahrrad nach Hause gefahren und hatte es im Haus abgestellt und eigentlich auch abgeschlossen (hab das Schloss extra nochmal kontrolliert). Jedenfalls ist mein Fahrrad, nach nur fünf Tagen geklaut wurden, ich glaub das ist ein neuer Rekord. Erst dachten wir noch, es hat sich nur jemand ausgeliehen und es steht heute Morgen wieder da, aber Fehlanzeige. Jetzt überleg ich ob ich das Abenteuer wage und zur Polizei gehen soll…… vielleicht mach ich das morgen mal, damit ich Euch wieder eine tolle Geschichte schreiben kann :-)
Naja, gestern konnte ich eh nix mehr machen, denn wir hatten ja 18:00 Uhr einen wichtigen Termin. Der Botschafter, Dr. Michael Schaefer (rechts im Bild), und seine Frau hatten zum ROCK IN DER RESIDENZ (also in die der Deutschen Botschaft) geladen. Wir fünf Zwickauer sind gemeinsam los, da ein Taxi zu klein ist, teilten wir uns auf – wie immer. Dong Dong, Xi Yue und ich hatten erst einen etwas starrköpfigen Taxifahrer erwischt, der uns partout nicht fahren wollte. Erst haben wir fünf Minuten mit ihm diskutiert um ihm zu erklären wo wir hinwollen, damit er uns dann sagt, dass er gerade in die andere Richtung fährt und uns nicht mitnimmt. Vermutlich hat er nur nicht verstanden wo wir hin möchten und statt falsch zu fahren hat er dann gesagt, er fährt in die andere Richtung. Für den nächsten Taxifahrer war das kein Problem. Nur im Botschaftsviertel kannte er sich nicht ganz so gut aus. Er hielt vor der Französischen Botschaft und fragte dort einen Wachmann wo die Deutsche Botschaft sei. Dieser zeigte auf die andere Straßenseite. Schau an, wir standen bereits davor, zwar am Hintereingang, aber das reichte uns ja.Wir also zum Eingang gelaufen und waren uns schon gleich nicht mehr sicher, ob wir richtig sind, denn vor uns und auch auf dem Botschaftsgelände waren mehr Chinesen als Deutsche. Alle wollten sofort Fotos mit uns machen und am Ende des Abends hatten wir alle eine Menge Telefonnummern von Heidi, Elias, Werner… (alles Chinesen/innen natürlich). Die Musik der Cheatles (eine Band aus deutschen Diplomaten und deren Söhnen bestehend) war echt interessant. Eben die Musik der Beatles mit der Chinesischen Übersetzung der Texte. So sangen sie nicht „Yesterday“ sondern „Zuotian“. Einige Textstellen konnten wir tatsächlich verstehen. Anschließend wurden die Häppchen verteilt. Das war fast das Beste des Abends, denn es gab (deutsche) Würstchen mit Senf, Pizza, Steak in kleinen Brötchen und deutsche Weine – LECKER!Später sind noch zwei Bands der Deutschen Schule aufgetreten.Kontakte zu wichtigen Leuten konnten wir zwar nicht knüpfen, aber zu anderen Deutschen Studenten die auch an der UIBE studieren. Mit denen waren wir dann noch im Kokomo in Sanlitun und haben einen schönen Cocktail getrunken – auf der Dachterrasse. Sehr schön! Dabei wir uns sehr nett mit Chinesen unterhalten, die schon überall auf der Welt waren.
So, jetzt habt ihr erst mal was zum lesen.

Und hier noch eine Kostprobe der Cheatles:

Donnerstag, 18. September 2008

Luft raus

Oh Mann, seid ihr auch alle so muede wie ich?
Habe mir von euren sportlichen Aktivitaeten im Land der Tugend schon berichten lassen (Scheiben abkratzen, ja? Also bei uns ist es schoen warm - die unbestreitbaren Vorteile der Klimaerwaermung - mit ein bisschen Anstrengung koennt ihr das auch schaffen!), und reagiere nun auf Bitte um genaue Beschreibung der chinesischen Folterinstrumente.
Kurz gesagt: die Geraete sind aus Italien (und zwar die gleichen, wie sie im BALANCE - Wiesenufer 8 - Chemnitz/Einsiedel zu finden sind) - also hochmodern. Leider trainieren alle ohne richtigen Trainingsplan, sondern machen einfach wie sie denken. Anzahl der Geraete bitte aequivalent zu Anzahl der Chinesen vorstellen. Das Studio liegt unter Tage, hat neben ein paar Kursen (Bauchtanz, Aerobic und Pilates) und einer Sauna aber leider nichts weiter zu bieten. Trainer koennen (fast) alle kein englisch, also werden wir auch nicht dumm angesprochen, sehr freundlich. Alles weitere werde ich mit der Zeit rausfinden. Spionageberichte also garantiert.
Ausserdem hatte ich heute ein "Vorstellungsgespraech" - hab jetzt hoffentlich den Job als Deutsch - und Mathematik (schiess mich tot) Lehrerin einer suessen kleinen 8-jaehrigen Chinesin.
Und nach unserer Fahrt in die Stadt um Tanjas massgeschneiderten Anzug abzuholen und nach 30 minuetiger Schinderei auf dem Crosstrainer und nach 2 Stunden chinesisch lernen und Waesche waschen und nach Kartoffelbrei mit Zwiebel bin ich jetzt so tot, dass ich nicht mal mehr die Energie zum Fernsehen hab. Glueck gehabt, Mitbewohnerin.
Ich bin gespannt auf morgen - was zieh ich nur an???
Und dann ist Wochenende!!!!!!!