Montag, 6. April 2009

Wochenendausflug nach Shanghai

Nachdem der Ticketkauf letzte Woche ein mächtiger Krampf war, habe ich es geschafft und bin am Samstagfrüh nach Shanghai gefahren. Ich hatte das etwas unterschätzt, dass die Chinesen bei auch nur einem Feiertag schon wie verrückt reisen und dementsprechend lang die Schlangen am Ticketschalter sind. Mein erster Versuch war am Donnerstagmorgen (okay, war ein bisschen spät in der Woche) am Ticketoffice vor meiner Haustür. Hatte 15 min für Ticketkauf eingeplant (geht sonst in 3min). Es schien aber bei den Kunden vor mir ein paar Schwierigkeiten zu geben, so dass die Diskussion wann sie denn nun wohin fahren wollen zu lange für mich dauerte. Nach 10 min hatte ich mich noch kein Stück bewegt und es sah auch nicht so aus, als würde das in den nächsten zwei Minuten anders. Also bin ich ohne Ticket erstmal auf Arbeit. Ich versuch mein Glück am Abend nochmal, vielleicht hat das Büro ja noch auf, wenn ich komme. Der Shuttlebus war an diesem Tag sogar etwas schneller und ich bin schnell noch zum Ticketoffice gelaufen. Da schließt der Verkäufer gerade die Tür vor meiner Nase zu. Na gut, muss ich eben doch zum Bahnhof. Also, fix ins nächste Taxi gesprungen und ab die Post. 18:30 Uhr angekommen, lange Schlangen an allen Schaltern und dann schließen die auch noch 19:00 Uhr. Das wird knapp. Egal, stell mich trotzdem an.

Jetzt fängt es auch noch an zu regnen. Das ist ja super. Nur noch eine Viertelstunde und es sind immer noch so viele Leute vor mir. Neben mir wird das Tor schon runtergelassen. Nur noch die Leute, die hinter dem Tor stehen dürfen rein. Ich steh noch draußen. Hm, schnell noch reindrängeln. Puh, Glück gehabt, als das Tor meiner Reihe geschlossen wird steh ich dahinter.
Nur noch fünf Minuten und noch ungefähr 5 Leute vor mir. Noch zwei Minuten und 3 Leute. Nur noch ein paar Sekunden und nur noch 1 Mädchen vor mir. Und dann wird ihr gesagt: "Wir schließen jetzt" . Nein, umsonst da gestanden. Verdammt. Jetzt ist Donnerstagabend und ich habe für morgen immer noch kein Ticket. Letzte Chance, eine Stunde (!) früher aufstehen und dann gleich bei der Öffnung des Ticketoffice' vor der Tür stehen.

Hat geklappt und ich konnte Du Mei Yan am Samstagmorgen in Shanghai in Empfang nehmen.
Das mit Susann's Wohnung hat auch super geklappt. Danke!
Und dann ging auch schon gleich der Sightseeing-Marathon los. Wir hatten für die beiden Tage einen tollen Reiseführer - an dieser Stelle nochmal ein großes DANKESCHÖN an Alin.
Trafen uns zum Essen in DEM Baozi-Imbiss Shanghais. Super lecker! Von da aus habe ich mich erstmal ausgeklingt und habe mich von Nicole verabschiedet, die noch bei Freunden in Pudong war. Das ist zwar ab vom Schuß - Endstation der U-Bahn, aber super Wohngegend, schickes Haus, Ruhe und ein bisschen Natur. Bin schon ein bisschen neidisch gewesen.
Dann wieder zurück ins Stadtzentrum, um Du Mei Yan und Alin zu treffen - Mitten auf der Nanjing Lu (riesengroße Einkaufsstraße). Zwar an der U-Bahnstation, aber ich habe es trotzdem geschafft vom richtigen Ausgang in die falsche Richtung zu laufen. Demzufolge hat das Zusammentreffen mit den beiden ein bisschen gedauert (gut das es Mobiltelefone gibt), blöd nur das es geregnet hat.

Nächster Stop, Xintiandi. Dort befindet sich Shikumen, ein Viertel, welches das alte Shanghai zeigt, und ein Mix aus traditionellem chinesischem Lifestyle und moderner komerzieller Kultur ist. Jedenfalls sehr nett. Dort befindet sich auch ein kleines Museum, das "Open House". Es zeigt den Lebensstil der 1920er und 30er in Shanghai. Unverkennbar der koloniale Einfluss, so sieht man z.B. eine Singer-Nähmaschine und ein Radio von General Electric. Abendessen gab's in dem Viertel bei Thailänder. Wir wollten eigentlich außerhalb was billigeres essen, aber wie das in Shanghai immer so ist, wenn man was bestimmtes zu Essen sucht, findet man es nicht :)


Sonntagmorgen, 06:45 Uhr klingelt der Wecker - kaum vorstellbar. Aber wir hatten wir vor an diesem Sonntag. Vorallem wollten wir den Yu Yuan (Yu Garten) genießen - mit möglichst wenig Touristen. Dafür mussten wir entsprechend vor Ort sein. Hat auch alles super geklappt und wir konnten tatsächlich Fotos nur von uns machen oder auch nur von dem Garten, ohne Menschen. Und das beste, mitten in Shanghai haben wir sogar Vogelgezwitscher gehört. Rechtzeitig vor dem großen Ansturm waren wir wieder draußen, mussten uns dann aber schon ganz schön durch das Gedränge in der Altstadt kämpfen. Wir begaben uns in die touristenarmen Seitenstraßen und aßen am Straßenstand Nudeln (zum Nachtisch gab es Kuhflecken-Schokolade).
Gestärkt und aufgetankt durch ein kleines Sonnenbad ging es weiter zum Bund, schließlich war heute Sicht. Das mussten wir nutzen, nachdem gestern das andere Ufer nur erahnt werden konnte.
Schnell ein paar Fotos von und mit uns und mit Chinesen und dann weiter mit der U-Bahn zum Longhua Tempel, dem wohl schönsten Tempel Shanghais. Gott sei dank (Buddha sei dank) gab es Sitzplätze in der Bahn, aber die Fahrt hat als Erholung noch nicht gereicht. Haben uns, bevor wir in den Tempel sind, bei einer bekannten Fastfood-Kette ein Getränk gekauft und sind dann rein in den Tempel, nächst beste Sitzmöglichkeit zum ausruhen genutzt. Puh, das tat gut. Jetzt konnten wir den Tempel auch in Ruhe anschauen. Unser letzter gemeinsamer Tagesordnungspunkt war die Rückfahrt Richtung Zentrum und wieder ein bisschen ausruhen, bei einem Eiskaffee.
Diesmal fand ich Shanghai richtig super. Lag sicher auch daran, dass ich ein paar ruhigere Ecken gesehen habe und zumindest am Sonntag die Sonne schien :)
Der heutige Montag ist Feiertag und ich habe etwas gemacht, was ich seit Wochen nicht mehr tun konnte... ausgeschlafen. Schön war's. Den Nachmittag verbrachte ich dann im Park (siehe vorhergehenden Bericht).
Und jetzt sitze ich auf meiner Dachterrasse und genieße die letzten Sonnenstrahlen.

Komisch diese Ausländer...

... sitzen bei nur 25 Grad Celsius barfuß und im T-shirt im Park in der Sonne, während wir Chinesen noch unsere Jacken anhaben - natürlich nur zum Schutz gegen die Sonne.
Und dann sitzen die da und schreiben irgendwas auf. Die sitzen nur und schreiben oder lesen. Machen nix anderes, lassen keine Drachen steigen oder fahren mit Inlineskates herum. Nur sitzen und schreiben. Da müssen wir doch mal genauer hinschauen. Mal gucken, was die da schreiben, stellen wir uns mal davor und schauen in das Buch. Mist, kann ich nicht lesen, schreiben noch nicht mal chinesisch.

Das ist doch die, die in der Woche, morgens kurz vor halb 8 auf dem Fußweg steht und liest. Komisch diese Ausländerin. Da steht die jeden Morgen an der selben Stelle und liest ein dickes Buch. Warum nur? Auf was wartet die da nur? Die Bushaltestelle ist doch 15 m weiter vorn. Komisch!

Mittwoch, 1. April 2009

Ausflug nach Nanjing

Der Bericht über Suzzans Besuch in Wuxi (20.-22.03.) kann, aus technischen Gründen, erst später nachgereicht werden (Bilder gibt es schon im Webalbum).

Am Sonntag, 22.03. war es soweit, ich bekam wieder Besuch aus Deutschland. Nicole hat sich die Woche über ganz gut durchgeschlagen und sich einige Sachen in Wuxi angesehen. Abends waren wir dann immer Essen oder bei der Massage. Seit letzter Woche weiß ich nun endlich auch wo der Buchladen in Wuxi ist.

Freitagabend verbrachten wir im TGI Fridays bei lecker westlichem Essen und all-you-can-drink. Konnten aber gar nicht so lange bleiben, denn am Samstag, morgens halb 10 in China, fuhr unser Zug nach Nanjing (Nanking).


Nanjing ist die Provinzhauptstadt von Jiangsu (meiner Provinz). Außerdem war es Hauptstadt der Republik China (1912-1949).

Nach dem Sturz des letzten Kaisers wurde die Repulik China gegründet, deren erster Präsident Dr. Sun Yat-sen war. Unser Weg führte uns deshalb am Samstag auch direkt zum Purple Mountain, wo sich das Mausoleum diese wichtigen Mannes befindet. Ist schon ganz schön gigantisch diese Anlage, vorallem im Vergleich zu Mao's Mausoleum in Beijing.

Aber Sun Yat-sen starb ja auch schon 1925 und entsprechend früher (1926-1929) wurde das Mausoleum erbaut, im Vgl. zu Mao's. Das aber nur am Rande.

Den Sonntag peilten wir dann die zweite Sehenswürdigkeit an, die mit einem großen historischen Ereignis zu tun hat:
Die Gedenkstätte des Massakers von Nanking. Auch hierzu eine kurze Erklärung er Ereignisse. Im zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg, erreichten die japanischen Truppen am 8. Dezember 1937 Nanjing und bomardierten die Stadt Tag und Nacht. Innerhalb der nächsten sechs Wochen wurden tausende Chinesen hingerichtet (geköpft, erschossen oder verbrannt). Die Zahl der Toten liegt zwischen 200.000 und 300.000.

Einige Ausländer sind trotz der Vorfälle in Nanjing geblieben und gründeten ein Internationales Kommitee für die Sicherheit von Nanjing. John Rabe, ein deutscher Geschäftsmann, wurde dessen Vorsitzender.

Ab April gibt es wohl einen Film über John Rabe in den deutschen Kinos, wenn Euch das Thema interessiert, schaut ihn Euch an. Bin gespannt, wann ich den in China kaufen kann.

Die Gedenkstätte war sehr bewegend und ist eine Empfehlung, für alle zukünftigen Nanjing-Besucher.
Nach vielen traurigen Bildern in der Dunkelheit der Gedenkstätte, waren wir froh, als draußen die Sonne schien und unsere Gemüter wieder erhellte. Ein kleines Sonnenbad kann da schon viel bewirken. Anschließend noch etwas zu Essen gesucht und dann ab zu Starbucks, lecker Käffchen in der Sonne. Kurze Zeit später mussten wir auch schon wieder zum Hotel, Taschen holen und mit dem Taxi ab zum Bahnhof.
Jetzt tat sich allerdings ein echtes Problem auf, die Leute vom Hotel waren nicht wirklich in der Lage ein Taxi zu organisieren (bin mir sicher es gibt auch in Nanjing einen Taxiruf). Mitarbeiter stellte sich auf die Straße, kam ewig nicht wieder und Taxi kam auch keins. Die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges wurde immer weniger. Wir zur Straße, der Typ vom Hotel ließ uns stehen und überließ uns die Taxisuche. Auch wir ohne Erfolg. Mist. Nur noch 40 min bis zur Abfahrt.
Bleibt uns nur noch eins, schnell zur nächsten U-Bahn. Arme Nicole, mit ihrem riesen Koffer (3Wochen-China-Gepäck). Aber tapfer hielt sie durch und wir schafften es nicht nur zur U-Bahn, sondern auch noch rechtzeitig zu unserem Zug.
Nach anderthalb Stunden Zugfahrt trennten sich unsere Wege wieder. Ich stieg in Wuxi aus und Nicole fuhr zu Bekannten weiter nach Shanghai.
Jetzt bin ich wieder allein in Wuxi. Aber die Pläne für das Wochenende stehen schon.
Ich fahre, mal wieder, nach Shanghai. Wir haben nämlich ein langes WE (Montag frei, wegen Grabpflege-Tag). Die Shanghaier fliegen zwar alle aus, aber Du Mei Yan kommt extra aus Beijing eingeflogen um das WE mit uns zu verbringen. Diesmal ist auch wirklich Sightseeing geplant. Suzzan ist zwar nicht da, hat uns aber freundlicherweise ihr Appartement angeboten (Haustausch). Das wird ein Spaß. Ich glaube ja, sie wird ihre Wohnung nicht wiedererkennen ;)

Mittwoch, 25. März 2009

Das ist ja wie Weihnachten

ein ganz dickes Dankeschön an die lieben Weihnachtsmänner und -frauen aus Flöha.

Heute, am 25.03.2009, hat der Postmann mehrmals geklopft und ein Paket abgegeben.

Nach langer langer Reise ist die Weihnachtspost angekommen.
Ihr seid ja total wahnsinnig !!!




Fühlt Euch gedrückt. Mal sehen, ob mir hier der Osterhase über den Weg hoppelt und ob ich ihm das ein oder andere Überraschungsei mitgeben kann.

Montag, 16. März 2009

Ich bin verliebt...

... in Ningbo.
Jetzt fragt ihr euch bestimmt wer dieser Typ ist. Ich muss euch enttäuschen. Ningbo ist kein Typ, Ningbo ist eine 5,5 Mio-Einwohner-Stadt in der Zhejiang-Provinz, mit dem Zug 377 km südlich von Shanghai (150 km Luftlinie).

Am Freitagabend fuhr ich mal wieder nach Shanghai, von dort ging es am Samstagvormittag weiter mit dem Zug nach Ningbo. Mit dabei waren Karo und zwei Freundinnen von ihr. Nach 3,5 Stunden Zugfahrt, wovon eine halbe Stunde einer Kaffeefahrt glich -die Zugbegleiter priesen Socken, Schuheinlagen und Spielzeug an, erreichten wir Ningbo gegen 15:00 Uhr. Jetzt hieß es als erstes Rückfahrkarte kaufen, und natürlich gab es für unseren Wunschzug keine Tickets mehr. So sollten sich unsere Wege auf dem Heimweg trennen (ich fuhr allein nach Wuxi und die drei Mädels etwas später nach Shanghai), aber bis dahin lagen eineinhalb wunderschöne Tage vor uns.

Wie letzte Woche schon berichtet, ist der Frühling endlich angekommen, so war das Wetter auch an diesem Wochenende perfekt: Sonne und sogar blauer Himmel.
Schon auf dem Weg zum Hotel waren wir total begeistert von der Stadt. Fast die ganze Stadt gleicht einer einzigen Grünfläche/Parkanlage, durchzogen von Flüssen und Seen. Ich hatte schon vergessen wie idyllisch Städte sein können. Auch sonst haben wir von dem üblich Lärm (musikalische Beschallung aus Geschäften, pausenloses Hupen) nur sehr wenig gehört.
Überall sah man Kinder und Erwachsene Drachen steigen lassen oder auch einfach nur so die Sonne genießen. Die Chinesen saßen sogar auf der Wiese und entpannten sich. Wir schlossen uns am Sonntag dann auch gleich an und legten uns, untypisch für Chinesen, in die Sonne - kurzärmelig.
Schade, dass das Wochenende immer nur so kurz ist.

Montag, 9. März 2009

Frühling lässt sein blaues Band

ich kann Euch vermelden, ich habe wieder Wasser (seit Donnerstag), aber noch viel wichtiger:
es ist offiziell FRÜHLING!
Am Sonntag war ein herrlicher Tag, die Sonne hat geschienen und es war warm, bestimmt 20°C.
Hab den Vormittag gleich genutzt um einen ausgiebigen Spaziergang zu machen und mir eine Walking-Strecke rauszusuchen, die optimale Strecke hab ich leider noch nicht gefunden, aber das wird schon noch. Nachmittags traf ich mich dann mit Arbeitskollegen zum Badmintonspiel. Wusste gar nicht, dass das soooo anstrengend ist. Heute tut mir auch gleich alles weh.

Mittwoch, 4. März 2009

Wunder geschehn

hab gerade Nachricht aus Beijing erhalten, dass ich Post erhalten habe ...
... sieht so aus, als würden pünktlich zu Ostern meine Weihnachtspakete ankommen.
Freu mich schon total - hoffe nur, dass die auch bei mir ankommen. Muss dann gleich mal die Pförtner drauf ansprechen - hab doch keinen Zugang zum Briefkasten :-( Vielleicht können die das entgegennehmen.

Das andere Wunder ist betrifft das Verschwinden meines Leitungswassers. Scheinbar ist mein Wasservorrat aufgebraucht und irgendjemand hat vergessen nachzukaufen. Die von der Vermittlungsagentur fragte mich ob ich eine Wasserkarte habe - leider ist das nicht der Fall, weil mir das niemand gesagt hat.
Zur Information: Man kauft Strom und Wasser auf Vorrat, in dem man zur Bank geht und dort die Wasserkarten (und vermutlich auch Stromkarten) auflädt. In Beijing hatten Suzzan und ich dieses Problem nicht, dort funktionierte es noch nach der altbekannten Art mit Wasserrechnung nach Verbrauch.
Fehlt nur noch, dass mein Stromvorrat jetzt auch noch aufgebraucht wird und ich im dunkeln und kalten bis morgen früh aushalten muss. Gott sei Dank ist es noch nicht soweit.