Freitag, 3. Oktober 2008

Unsere Ferienerlebnisse

Was wir in den letzten Tagen erlebt haben glaubt ihr uns nie.
Damit wir in den Ferien nicht im „langweiligen“ :-) Beijing rumsitzen müssen, buchten wir letzte Woche eine 3-Tagesreise in die Innere Mongolei. Nicht zu verwechseln mit der Mongolei.
Die Innere Mongolei ist ein Autonomes Gebiet der Volksrepublik China, unweit von Beijing. Naja, sieben Stunden mit dem Bus sind es schon gewesen.

Aber von vorn:
Am Dienstagmorgen klingelte der Wecker zu einer unchristlichen Zeit, denn 06:00 Uhr hieß es Abfahrt in Wudaokou (Stadtteil von Beijing), und dort mussten wir schließlich auch noch hinkommen. 05:15 traf sich also das Zwickauer Quartett um mit dem Taxi zum Ausgangspunkt unserer Reise zu gelangen. Taxen standen durchaus vor unserer Uni, aber wo waren die Fahrer? Die lagen auf der Rückbank und haben geschlafen. Wir weckten also einen, durch klopfen an der Tür, und fuhren los. Viel zu früh waren wir dann also in Wudaokou, wo wir auf den Bus und die englischsprachige Reiseleitung. Wie sich sehr bald herausstellen sollte, war diese nur ein Gerücht und die Reiseleiterin sprach nur chinesisch. Kurz vor 06:00 kamen zwei Busse angefahren – unsere Busse. Es gab zwei Reisegruppen, eine 3-Tagesreise und eine 4-Tagesreise, und so waren dann auch die Busse aufgeteilt. Als wir dass noch nicht wussten stellten wir uns vor den etwas Neueren, da der andere so aussah, als würde er die Reise nicht überstehen. Leider wurde uns dann doch der alte Bus zugeteilt. Ganz Europäer besetzten wir die letzten beiden Reihen, wie früher im Schulbus. Vor uns setzten sich noch zwei Kroaten – Zoran und Petra - mit denen wir in der kommenden Nacht eine Jurte teilten, aber dazu später mehr.
Wir saßen also im Bus und fuhren und fuhren und fuhren. Nach 7 Stunden Fahrt kamen wir in Hohot, der Provinz-Hauptstadt, an und aßen zu Mittag (eher zu Nachmittag). Gesättigt ging die Fahrt weiter, nach zweieinhalb Stunden bogen wir von der asphaltierten Straße auf einen Schotterweg ab und fuhren durch die innermongolische Steppe an diversen Ansammlungen von Jurten vorbei. Wir dachten zwischendurch ein paar Mal, dass der Bus -bei diesen Schlaglöchern- auseinanderbrechen wird, aber er hielt.
Kaputt von der Fahrt kamen wir gegen 18:00 in unserem Dorf an. Auf dem Plan stand für den ersten Tag noch ein Ausritt auf Mongolischen Pferden, der auf Grund der Uhrzeit aber nicht mehr stattfand. Der versprochene Wrestling-Kampf (Bild im Webalbum) wurde uns noch gezeigt, war aber eher harmlos. Viel beeindruckender war der Sonnenuntergang in der Steppe. Und wenn wir nicht Japaner und Koreaner in der Reisegruppe gehabt hätten, wäre es auch noch richtig ruhig gewesen. So blieb uns nichts anderes übrig, als durch bewusstes Atmen und sonstigen autogenen oder „yogistischen“ Tricks die Geräusche auszublenden, um den Sonnenuntergang zu genießen. Das Ausblenden der Geräusche gelang mir dann auch nach dem Abendessen (Lamm – oder eher Hammel?) ganz gut, als ich den Sternenhimmel betrachtete. Ich kann mich nicht erinnern die Sterne jemals so klar gesehen zu haben, trotz der Wegbeleuchtung im Camp war es stockfinster und man konnte sogar die Milchstraße ganz deutlich sehen. Es war atemberaubend!
Nach dem Essen trafen sich alle zu Bier und anderen Getränken in der Bar – es gibt zwar sonst nix, aber eine Bar ist vorhanden – und draußen wurden noch ein paar traditionelle Tänze aufgeführt und Lieder gesungen. Wie oben schon angekündigt, hatten wir uns auf der langen Busfahrt also mit den Kroaten angefreundet und beschlossen mit ihnen eine Jurte zu teilen.
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um 06:00 Uhr, denn wann hat man schon mal die Möglichkeit im Nirgendwo einen Sonnenaufgang zu beobachten? Gewappnet mit unserem Brot und Blaubeermarmelade, welches wir aus Beijing mitgebracht haben, machten wir uns also zum Rand des Camps auf, um dort in aller Ruhe den Tagesanbruch zugenießen – ebenfalls traumhaft. Wir kamen uns zwar vor wie am Nordpol, waren wir doch in unsere Winterjacken eingemummelt, aber es war einfach nur schön. Danach ging es zum Mongolischen Frühstück: Reissuppe, Mantou (Hefekloß), Ei und komischen sauer eingelegtem Gemüse. Gut, dass wir schon eine Grundlage gebildet hatten. Zu trinken gab es im übrigen Milchtee… … wir hatten immerhin etwas Warmes im Magen.
Nachdem Frühstück riefen unsere Reiseleiter schon wieder „kuai, kuai yi dianr“, was soviel heißt wie „schnell, schnell“. Jetzt wurde der Ausritt auf den mongolischen Pferden angeboten. Es gab drei verschiedene Touren für drei verschiedene Preise – von 4,5h bis 1h (von 200 RMB bis 50 RMB). Also wenn wir überhaupt reiten, dann nur eine Stunde für 50 RMB, schließlich war das der Preis, der im Prospekt stand. Nach langem Hin- und Her saßen wir drei Mädels dann doch auf so einem mongolischen Gaul (meiner war 10 Jahre alt). Irgendwie hatte ich es verpasst und war in einer anderen Gruppe gelandet als Suzzan und Du Mei Yan und hatte noch mehr Schiss als vorher, da ich ja den chinesischen Guide nicht verstehen konnte und neben mir sah ich erst auch nur Koreanerinnen, die nicht so gut Englisch sprechen konnten. Zumindest konnte mir die eine aber sagen, was ich mit den Zügeln machen muss, wenn der Gaul nach links oder rechts laufen soll bzw. wenn er anhalten soll. Später entdeckte ich auch noch ein Mädel aus der Karibik, die schon ein paar Jahre in China lebt und da fühlte ich mich etwas sicherer, konnte ich mit ihr doch Englisch sprechen. Die Landschaft um mich herum konnte ich leider nicht richtig genießen, da ich mich ganz sehr auf das Pferd konzentriert hatte. Der Guide wollte immer, dass wir schneller reiten und hat die Pferde angetrieben, aber nicht mit mir. Ich hab immer schön die Bremse gezogen. Nach der Stunde sind wir wieder im Camp angekommen und ich wollte absteigen. Bis dahin hat sich das Pferd ja noch ganz gut verhalten, aber als ich runter wollte muckte der blöde Gaul doch tatsächlich rum und ich hatte so Angst, dass der mich noch abwirft. Zum Glück hatte der Guide das unter Vieh unter Kontrolle bekommen. Jetzt war ich doch froh, dass ich unten war und festen Boden unter den Füßen hatte. Und ich bleibe bei dem Satz: „Ich mag Pferde, ich schaff nur kein Ganzes.“
Da die anderen Gruppen noch unterwegs waren, schnappten wir uns die rumstehenden Gartenstühle, unsere Tagebücher, MP3-Player, Bücher und Kekse und pflanzten uns in die Sonne. Dadurch haben wir irgendwie das Mittagessen verpasst und uns blieben nur noch die Rester. Naja – bei uns gab es ja Kekse, also war es nur halb so schlimm.
Wieder hörten wir die Reiseleiterin „kuai, kuai yi dianr“ rufen und liefen in unsere Jurten, um die Rucksäcke zu packen. Es sollte nämlich gleich -am Ende war es eine halbe Stunde später- losfahren. Das nächste Ziel war die Wüste. Als der Bus endlich startete und die Schlaglöcher alle wieder mitgenommen hat kamen wir wieder durch Hohot und wir fuhren und fuhren und fuhren. Nach ca. 4.5h kam der Bus zum stehen, in einem Inner Mongolischen Camp (so ähnlich wie wir es am Mittag verlassen hatten). Hier soll Wüste sein? Hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt. Ein paar Meter weiter stand ein komisches Gefährt, irgendeine Mischung aus Truck und Bus. Und hier sah es auch schon fast aus wie Wüste. Für dieses Gefährt mussten wir umgerechnet 6€ bezahlen, aber nach der langen Busfahrt wollten wir auch die Wüste sehen. Die Fahrt war ganz schön lustig, wie Achterbahn (nur ohne Sicherheitsgurt), die Sanddünen hoch und wieder runter. Und wir konnten noch das Abendrot sehen, den eigentlichen Sonnenuntergang haben wir leider knapp verpasst.
Nach fünf oder zehn Minuten sahen wir sie dann plötzlich vor uns: KAMELE. Wir zögerten nicht lang und erwarben uns das Recht auf ihnen zu sitzen und eine halbstündige Tour zu machen. BILD Auf dem Kamel fühlte ich mich wesentlich sicher als auf dem Gaul am Morgen. Saß ich doch durch die Höcker vor und hinter mir wesentlich fester im Sattel. Auch waren die Kamele aneinander gereiht und ganz vorn lief ein Mongole, der die Kamele führte. Was für ein Erlebnis, einfach nur unbeschreiblich – sorry Leute!
Nach dem Ritt ging es mit dem „Achterbahn-Gefährt“ wieder zurück zum Camp, wo wir Abendessen bekamen und einem mongolischen Fest beiwohnen konnten. Aber das Vergnügen dauerte nicht lang an denn wir vernahmen schon wieder die Worte „kuai, kuai yi dianr“ von unserer Reiseleiterin. Schnell noch der Gang zur Toilette, bevor wir wieder in den Bus steigen, wobei wir das Erlebnis nicht mit Euch teilen wollen!
Nun saßen wir wieder im Bus und fuhren und fuhren und fuhren. Wir wussten, dass wir auf dem Weg zum Hotel waren, nur keiner von uns hatte auch nur eine Ahnung dass sich dieses in Hohot befindet, sodass wir weitere 5 Stunden im Bus saßen. 0:30 Uhr erreichten wir endlich die Hauptstadt und unser Hotel. Juhu, endlich ein richtiges Bett und eine Dusche, deren Gebrauch wir allerdings auf den Morgen verschoben, da es zu unserer Ankunftszeit (zumindest im Bad von Suzzan und mir) nur noch kaltes Wasser gab. Nach einer erholsamen Nacht, einer warmen Dusche und einem reichlichen Frühstück war es Zeit für die Abfahrt. Wir blieben in Hohot und kamen nach nur einer halben Stunde Busfahrt bei einem Tempel „Hohot Five Pagoda“ an. Hier hatten wir eine Stunde Zeit zur Besichtigung des Tempels, bevor der Bus weiterfuhr um uns in eine Verkaufshalle zu chauffieren. Das Zwickauer-Quartett blieb standhaft und hat kein Geld ausgegeben :-). Mittagessen gab es im selben Restaurant wie am ersten Tag – leider wieder Hotpot (Feuertopf), aber immerhin war es ziemlich lecker. Nun stand nur noch eine Station auf dem Plan bevor es wieder zurück nach Beijing ging: Das Dinosaurier-Museum. Zum Glück war es schwierig Karten zu bekommen und die Schlange war auch ganz schön lang. So waren wir uns alle einig, dass wir keine Lust hatten und gleich in die chinesische Hauptstadt zurückfahren wollten. Nach siebeneinhalb Stunden, einigen Staus, mehreren Vollbremsungen und einer verpassten Ausfahrt (um nicht die nächste zu nehmen, setzte der Bus einfach auf der Autobahn zurück und konnte so die gewollte Abfahrt runterfahren) erreichten wir todmüde und hungrig Beijing.

Heute ließen wir es also ruhig angehen, was nicht schwierig war, denn die Stadt ist wie ausgestorben – sind doch alle Chinesen bei ihren Familien oder im Urlaub. So war es heute sogar möglich in der U-Bahn einen Sitzplatz zu bekommen, aber leider sind auch die Starbucks Cafe’s in den Geschäftsvierteln geschlossen…

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo Tanja und Freunde,
Dein Kommentar zur Euren 3 tollen Tagen ist ja richtig nach dem Motto "Wenn einer eine Reise ...".
Das waren ja richtig tolle Erlebnisse zu Pferd, zu Kamel und zu Achterbahn ...
Um den klaren Sternenhimmel und den Sonnenauf- bzw. untergang kann euch schon beneiden.
Was werden Eure nächsten Abenteuer sein?
So nun heißt es aber wieder sich den "Teehäuschen" zuzwenden, damit Ihr bald keine Dolmetscher mehr braucht.
Viele herzliche Grüße aus dem langweiligen Deutschland

Mutti, Vati und Omi