Mittwoch, 27. Mai 2009

Was für ein Muskelkater!

Und was für ein Wochenende!
Es war ein langes Wochenende und ich musste mich um nichts kümmern, nur am Freitagmorgen pünktlich 08:00 Uhr am Bahnhof in Wuxi sein. Dort trafen sich im Warteraum 1 ungefähr 150 Kollegen und fieberten ganz gespannt dem bevorstehenden Firmenausflug entgegen.
Wir fuhren zum Tai Shan. Der Tai Shan ist der berühmteste der 5 heiligen Berge des Taoismus und - wie viele andere Ecken des Landes auch- ein beliebtes Reiseziel. Nachmittags erreichten wir unseren Zielbahnhof in der Stadt Tai’an. Dort angekommen wurden wir auf unsere 4 Reisebusse aufgeteilt und fuhren zum Dai Tempel (ein Taoistischer Tempel). So wahnsinnig viel kann ich dazu gar nicht erzählen, denn die Reiseführer haben alles nur auf Chinesisch erzählt. Wegen zwei Deutschen (dem General Manager und mir) wurde da nicht erst irgendwas übersetzt. Was ich sehen konnte waren viele alte Stelen und viele 2.000 Jahre alte Bäume (letzteres wurde mir von den Kollegen erzählt). Nach dem Rundgang fuhren wir zum Hotel und hatten dort ein bisschen Zeit zum ausruhen. Ich wurde einem Zimmer mit zwei Kolleginnen zugeteilt. Da wir das einzige Dreier-Zimmer waren, kamen die anderen Kolleginnen auch alle mal vorbeigeschaut, um zusehen wie das so aussieht. Jetzt hat mich alles eher an Klassenfahrt erinnert. Die Türen standen offen, jeder schaute bei jedem vorbei, es wurde über den Gang gerufen…… irgendwann machten wir uns zum Abendessen auf. 18:15 Uhr waren wir fertig und ich war gespannt was jetzt noch passiert, denn das offizielle Programm war vorbei. Unsere Gruppe (8 Leute von der Qualität) fuhr mit dem Taxi in die Stadt und schlenderte über einen Markt und dann versuchten wir noch ein paar Souvenirs zu shoppen. Gegen neun waren wir zurück im Hotel und die Mädels machten sich bettfertig. Als ich gerade unter der Dusche stand, und mich an ganz andere Firmenausflüge erinnert habe, rief -zum Glück- ein Kollege an und lud uns auf ein/zwei Bier ein. Zum Bier gab es Spieße („Chinese BBQ“) und ich kam wieder einmal in den Genuss von Seidenraupen – die meine chinesischen Kolleginnen verschmäht haben.Samstagmorgen, 06:00 Uhr, der Wecker klingelte, halb acht Frühstück und kurz vor acht saßen wir schon im Bus nach Qufu. Qufu liegt ca. 80 km südlich von Tai’an und ist die Geburts- und Wirkungsstätte von Konfuzius (孔子- Kong Zi – Meister Kong). Qufu ist eine der flachesten Städte, die ich bisher in China gesehen habe, kam mir zumindest so vor. - Mit flach meine ich übrigens die Höhe der Gebäude.Wir besichtigten den Konfuzius-Tempel 孔庙, den Wohnort 孔府und den Konfuzius –Wald 孔林(Ruhestätte der Familie Kong – weltweit größte Ruhestätte einer Familie). Auch diesmal habe ich nichts von dem verstanden, was die Reiseleiter erzählten und selbst wenn war es so laut, dass ich gar nicht gewusst hätte wo ich denn hin hören sollte. So setzte nutzte ich die Chance und ruhte mich ein wenig aus. Da kam ein älterer westlicher Herr, in Begleitung zweier Chinesen, auf mich zu und unterhielt sich ein wenig mit mir. Er, ein Österreicher, die Chinesen seine Studenten. Kaum hatten wir ein paar Worte gewechselt stand auch schon eine Schar von Kollegen um mich herum und wollte sehen, mit wem ich mich denn da unterhalte.
Auf dem Rückweg nach Tai’an wurde – natürlich – noch in einem Shop gehalten, damit wir regionale Nahrungsmittel kaufen konnten, was viele von uns auch machten. Danach ging es essen. Ich hab Miniskorpione gegessen. Zurück im Hotel begannen ein paar in unserem Zimmer Karten zu spielen. Ich habe gar nicht erst versucht das Spiel zu verstehen, die Erklärung wäre eh nur auf Chinesisch gewesen…Da lud mich der Fertigungsleiter zusammen mit ein paar Arbeitern zum Trinken ein. Das war ein Spaß, ich mit acht Chinesen.
Auch am Sonntagmorgen hieß es wieder zeitig aufstehen, Frühstück gab es diesmal nicht im Hotel sondern in jeder war irgendwie selbst für sich verantwortlich. Wir, die Gruppe um die Qualitätsleute und der Engineering Manager gingen zu einem kleinen Straßenimbiss und aßen Suppe (Maisbrei-Eierflockensuppe, oder so). War ganz lecker und wir waren gestärkt für den langen Marsch nach oben, auf den Tai Shan 泰山. Es gibt in China fünf heilige Berge des Taoismus. Der Tai Shan ist der berühmteste, mit 1.545m aber keineswegs der höchste. Erst wurden wir mit unseren Reisebussen zum Touristensammelpunkt gefahren. Von dort ging es dann noch einmal gut zwanzig Minuten mit einem Touristenbus ein ganzes Stück den Berg hoch. Ich dachte schon wir fahren auf den Gipfel, aber später sollte ich merken, dass wir auch so noch genug Weg vor uns hatten. Am „Basecamp“ angekommen teilte sich unsere Reisegesellschaft. Die meisten wagten den Aufstieg, nur ein paar wenige trauten sich in die Seilbahn (oder wie Tracy sagte, ich mach lieber 10 min die Augen zu, als mich 3.000 Stufen hoch zu quälen. 3.000 Stufen, da hab ich mir aber was vorgenommen!Wären wir übrigens von ganz unten gestartet, hätten wir 6.000 Stufen erklimmen müssen. Uns standen 1,5 Stunden für den Aufstieg zur Verfügung, dann wollten/sollten wir uns wieder treffen. Ziemlich schnell riss unsere Gruppe auseinander. Auch ich verlor meine Gruppe ziemlich schnell. Das machte aber nix, denn bei mindestens 100 Kollegen, traf man den ein oder anderen immer mal wieder – es gab ja schließlich nur eine Richtung, die nach oben. Aber auch wenn ich ganz schön erschöpft war und ich gegen Ende alle 10 Stufen eine Pause einlegen musste, ich erreichte das Ziel (Südtor) in der Zeit.Am Südtor hatten wir ein bisschen Zeit um Kraft zu schöpfen, bevor wir – wieder gemeinsam- zum Restaurant geführt wurden. Auf dem Weg passierten wir noch einen Tempel und ein paar Souvenirläden, machten Fotos und nahmen uns ein wenig Zeit den Ausblick zu genießen. Gestärkt erklommen wir dann endgültig den Gipfel und ne halbe Stunde später, wurde ein paar Meter weiter unten ein Gruppenfoto geschossen.Jetzt teilte sich die Gruppe wieder, diesmal nahmen allerdings die meisten Kollegen die Seilbahn, um wieder ins Tal zu gelangen. Ich gehörte nicht dazu, denn schließlich hängt man da mindestens 1.000 Meter über dem Nichts. Ich nahm also die Treppe, der Abstieg ging ganz schön in die Beine und so stoppte ich lieber gar nicht erst, sondern lief – ganz automatisch- den ganzen Weg zurück, diesmal ohne Pause. Nach nur 50 Minuten erreichte ich, als erste, das „Basecamp“. Musste mich dort aber erstmal setzen, denn meine Knie zitterten ganz schön (hatte ja letztendlich doch 6.000 Stufen in den Beinen).
Bevor wir dann wieder zum Bahnhof gebracht wurden, gab es 17:00 Uhr Abendessen (fast hätte ich AbendBROT geschrieben) und dann traten wir den Heimweg an.
Der Zug hatte 20 min Verspätung, ist ja wie bei der Deutschen Bahn. Als wir dann endlich alle eingestiegen waren, bezogen wir unsere Betten (hard sleeper, also keine Kabinen). Wieder besuchten sich alle oder setzten sich zum Kartenspiel zusammen. Ich hatte das mittlere Bett (es gibt, pro „Abteil“ immer 2 x 3 Betten übereinander) und legte mich schon mal mit meinem Buch hin, während unter mir 6 Kollegen saßen und Karten spielten. Ich habe glaube ich als erste geschlafen und bin erst wieder halb drei aufgewacht, kurz bevor wir Wuxi erreichten. Gegen vier Uhr war ich dann wieder zurück in meinen vier Wänden. Zum Glück hatte ich am Bahnhof in Tai`an noch erfahren, dass wir am Montag frei haben. Sonst hätte ich mir doch tatsächlich den Wecker auf 07:00 Uhr gestellt und umsonst auf den Firmenbus gewartet. So konnte ich, seit langer Zeit mal wieder, einen ganzen Tag lang nichts tun.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Da bist du ja durchtrainiert,wenn du wieder in der Heimat eintriffst! 6000 Stufen -eine reife Leistung!Gratulation von Oma u.Regine