Samstag, 30. Mai 2009

Was issn da los?

Nun versuche auch ich mich darin die feindlichen Linien auszutricksen und mit euch trotz Staatsverbots in Kontakt zu treten. Hab aber auch viel zu berichten, wieder mal soviel, dass ich mich kaum an alles erinnern kann.Konzentrieren wir uns erstmal auf unsere Fahrradtour durch Shanghai.Nach einem zuechtigen Tepenyaki Essen mit Freunden und viel Sake erwachten wir (Tanja und Suzzan) am naechsten Morgen nicht mit einem Kater ab doch schon schwerem Kopf. Der wurde, nach einem Allroundcheck unserer Klapperraeder fuer 40 cent, erstmal schoen im Friseursalon durchmassiert. Leider musste ich den restlichen Tag mit angeklatschten Haaren im Chinesenstil rumbringen, meine Vorstellungen vom „Hockstecken“ wurden nicht umgesetzt.Nach Staerkung ging es los zum „Suzhou Creek“, was eigentlich eine schoene Strecke entlang des Flusses Wusong sein sollte. Unser Streckenabschnitt wurde leider durch halb demontierte chinesische Fabriken und Muellkippen gesaeumt, also sind wir schnell wieder nach Sueden abgebogen um ueber Umwege wieder in die „French Concession“ zu gelangen. Nichts ist schoener als dort durch die kleinen Strassen zu fahren. Nach verzweifelten Suche nach der Fuxing Lu, die uns, man glaubt es nicht, direkt zum Fuxing Park geleitet hat, war erstmal Pause angesagt. Ausfuehrungen ueber Zusammenstoss mit dem Wachschutz erspare ich mir an dieser Stelle, wir sind dessen inzwischen ja ueberdruessig.Weiter ging die Tour zu einer Antikstrasse (ach vorher noch erfolglose Suche nach dem Shangart Museum, Existenz nicht nachweisbar) wo wir uns mit ner Uhr, nem Ring, Handwalnuessen (wie nennt man das denn) und nem Schachspiel eingedeckt haben. Das Ziel unserer Reise war ja nun ein Motel im oestlichen Teil der Stadt. Nun wussten wir bereits vom Abend vorher, dass das Ueberqueren der natuerlichen Grenze der Stadteile ein kleines Hindernis darstellen koennte. Dass sich die Loesung des Problems ueber 3 Stunden hinziehen wuerde, konnte ja keiner ahnen.Auf gutgemeinten Ratschlag einer Chinesin machten wir uns auf zur Lupu Bruecke, kauften uns Tickets und gedachten jetzt diesen Fluss namens Huangpu geschickt und clever ueberqueren zu koennen. Die 4 Euro fuer die Tickets liesen uns erstmal den Atem stocken, derartige Ausgaben waren nicht in Budgetplan einbezogen. Wurde uns dann aber auch wieder zurueckerstattet, als uns die Sicherheitskraft zum Parkplatz fuer unsere Fahrraeder fuehren wollte. Nee, wir wollen die schon mitnehmen!Um eine weitere heisse Spur zu verfolgen, strampelten wir nach Norden um am Bund auf die Faehre zu gelangen. Nach unendlichem Suchen und staendigem Konsultieren des Stadtplans dann endlich der Durchbruch. Haste dir so gedacht. Faehre ausschliesslich fuer Passagiere. Was machmern nu? Ach gibt noch ne andere. Wo issn die? Wees keener. War sooo klar. Mit Verzweiflung im Blick und Gezieltem in die Strasse rufen „Wer kann hier englisch sprechen?“ (wir hatten Woerterbuch wegen erhoehten Gewichtsaufwands zurueckgelassen und konnten daher Faehre nicht in der Landessprache ausdruecken) machten wir einen Herren auf uns aufmerksam der immerhin wusste wo das Objekt auf der anderen Seite anlegt, also hatten wir damit einen weiteren Anhaltspunkt, der uns tatsaechlich zum Ziel gefuehrt hat. Nach einer Gebuehr von 20 cent (das klingt doch besser) sowie einer 3-minuetigen Ueberfaehrt erreichten wir Pudong. Pudong wird eigentlich alles genannt, das oestlich des Flusses liegt. In Pudong fuehlt man sich wie in einer anderen Welt. Was vor 20 Jahren noch Weideland fuer Kuehe war, erstrotzt jetzt von unpersoenlichen Hochhaeusern, sauberen Strassen und anderen Auslaendern auf Fahrraedern (selten im Rest der Stadt). Der Tag neigte sich dem Ende zu, deshalb machten wir Dampf damit wir zu unserem Hotel gelangten. 2 Minuten bevor sich aus dem leichten uns einhuellenden Nieselregen ein Wolkenbruch entwickelte, retteten wir uns ins sichere Zimmer. Nach staerkendem Abendessen und Schachspiel (zuvor hab ich mir noch die 3 Tonnen Gel aus den Haaren gewaschen, Tanja stellt bestimmt ein Photo rein) gings ab in die Falle.Der naechste Morgen wurde ueblicherweise gegruesst mit einem „Wer stehtn zuerst auf?“, dann gings ab zum Century Park – Jahrhundert Park – Shijie Gongyuan. Wir machten uns eine Spass daraus, wilde Chinesen beim Boot Camp Training zu beobachten (ich dachten erst die drehen einen Film, alle im gleichen T-Shirt und rennen den Berg rauf und runter zur Trillerpreife) entschieden dann aber das es Zeit sei, auf schnurgeradem Wege diese heile und irgendwie unwirkliche Welt zu verlassen (da sieht wirklich alles aus wie geleckt) und wieder nach China zurueckzukehren. Also quer durch Shanghai’s beruehmteste Wolkenkratzer und wieder uebers Wasser. Nach Stop im Buchladen und wiederholten Fahrt durch die Altstadt statteten wir der Tongji Universitaet, an welcher viele unserer Kollegen studiert haben, einen Besuch ab. Dann wurde entschieden die Fahrt nach Hause (Ecke Wuzhong Strasse / Hongxu Strasse) fast frei Schnauze zu absolvieren. Hat auch halbwegs gut funktioniert. Jetzt zeigt mein Gedaechtnis leider leichte Luecken auf, ich kann mich nur noch an die Schmerzen meines Hinterns erinnern – ach nein Halt. An der Hongqiao Strasse haben wir bei Freunden unsere Fahrraeder abgestellt und sind mit einem geliehenen Scooter (elektrisch betriebenes Motorad, schafft max. 40km/h, coole Hupe) nach Hause geduest. Also alles Friede Freude Eierkuchen - bis auf unsere Hintern die schwere Schaeden davon getragen haben.Jetzt hab ich bestimmt die Haelfte des Erlebten vergessen (wir waren ja dann doch noch in so ner Art Ausstellung – und das Klo im Zimmer hatte keine richtige Tuere, also musste immer einer auf den Hotelflur raus und warten) aber weniger ist mehr.Dem war nicht so beim gestrigen „Fussball“spiel – wie Domi immer so schon bruellte und damit uns allen aus der Seele gesprochen hat: „Was issn da los?“. Das ganze war eine ziemlich lahme Veranstaltung, die Herren der Schoepfung liesen sich nicht einmal zu einer ordentlichen Runde im Station am Ende des Spiels herab. Mehr moechte ich jetzt dazu nicht aeussern sonst geraet mein Blut wieder in gefaehrliche Wallungen. Das war eine schwach, Leute. So, es ist Mittag in China und ich fang jetzt mal an ein paar Touren fuer meine mich besuchende Grosseltern und Schwester zu planen. Machts gut meine Freunde!
Eure Suzzan

Keine Kommentare: