Freitag, 9. Januar 2009

Simatai & Harbin

Ich weiss, ich weiss, wir haben euch sehr lange warten lassen, aber nun endlich koennt ihr bei den Geschichten und Zwischenfaellen unserer Trips an die Große Mauer und Haerbin mitfuehlen, mitfreuen, mitleiden. Zieht euch warm an.
Wir schreiben das Jahr 2008, den 31. Dezember. 9 nach Abenteuern lechzenden, von den Pruefungen geschwaechte und durch die Feiertage mit ansehnlichen Wansten versehene Freunde treffen zusammen, um die muehselige Reise im Kleinbus nach Simatai aufzunehmen. Nach der berauschenden Fahrt durch die Wildnis Chinas ("Ich hab nen Esel gesehen!") werden wir freundlich von der wohl niedlichsten Wirtsfrau der Welt empfangen, die uns eincheckt und uns zu unseren Gemaechern begleitet. Nachdem alle untergebracht waren, verspürten wir ein Knurren in der Magengegend und begaben uns auf Nahrungssuche. Lecker.
Doch da der Hunger nach Neuem war noch laengst nicht gestillt worden war, nahmen wir den 2-Mann-Gondel-Lift, der uns der Mauer ein Stueck naeher brachte. Stellt euch vor, ihr seid in China. Nun stellt euch einmal vor, die Chinesen haetten einen Lift gebaut. Also ich, ich, ich hatte Angst. War bewegungslos erstarrt. Bei Tanja gings ein bisschen besser. Aber die anderen schienen ihren Spass zu haben. "Wink doch mal!"
Der restliche Aufstieg wurde zusaetzlich erschwert, weil wir wundersamerweise ploetzlich ueberall menschliche Kletten an uns heften hatte. Nette chinesische Damen, die uns ununterbrochen versicherten, wie unheimlich huebsch wir waeren, und wie fantastisch unser chinesisch ist, witterten die grosse Geldtasche und wollten ihre Postkarten verkaufen. Also liefen sie die ganze Zeit mit.
Wir genossen trotzdem den Ausblick, spielten Shuttlecock, machten Kekspause und kaempften uns die Treppen rauf und wieder runter. Der Himmel war klar, man konnte fast bis hinter den Horizont blicken.
Auf dem Rueckweg wurden die Damen dann handgreiflich, schimpften los und zwangen unseren Micha sogar dazu, einen geschwinden Trab einzulegen, um ihnen zu entkommen. "Bu yao!" - Wir wollen nix!
Der Abstieg wurde begleitet vom traegen untergehen der Sonne, die alle Berge um uns herum zum Gluehen brachte.
Wieder unten angekommen, war es wieder Zeit fuer die Nahrungsaufnahme, wir schlugen uns maechtig die Baeuche voll. Die anschliessenden Silvesterparty war nicht so feucht froehlich wie gedacht, aber trotzdem noch ganz nett. Auf jeden Fall sorgte sie dafuer, das aus den 9 Wanderern ploetzlich 4 wurden, die sich am 1.1.2009 (so frueh bin ich im Neuen Jahr noch nie aufgestanden) aus dem Bett quaelten und sich auf den Langen Marsch von Simatai nach (... "Tanja! Wie hiess der Ort nochmal?"...) Jinshanling zu begeben. Ich hatte lange nicht mehr so einen schoenen Tag. Vollkommene Ruhe, nur das Schnaufen und Aechzen unseres Koerpers nahmen wir war. Kein Mensch weit und breit fuer die ersten paar Stunden. Einfach himmlisch.
Daher mal die Ruhe geniessen.
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Um 1 Uhr erreichten wir puenktlich unsere Gefaehrten, die uns mit den Bus wieder einsammelten. Los ging die Fahrt zurueck in die Zivilisation. Schade.
Doch wir konnten die Stadt mit ihren Entbehrungen und Annehmlichkeit nicht lange geniessen.
Denn am naechsten Tag setzten wir unsere lang gehegten Plaene endlich in die Tat um und wollten (wollten!) mit dem Zug um 17:30 Uhr im Nachtwagen nach Harbin. Aber: Ueberraschung! Nach verspaeteter Ankunft unserer Tickets stellte sich heraus, dass wir noch 5 Stunden unserer Zeit rumbringen mussten (KFC, Starbucks), bis wir uns in unseren Wagon quetschen durften. 3 Betten uebereinander, Spucknapf auf dem Tisch, dicke Decken und nette Leute als Nachbarn machten die Fahrt unvergesslich.

Fortsetzung folgt

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