Samstag, 25. Oktober 2008

学习得很努力

Auch bei mir ist nichts aufregendes passiert. Ich lerne fleißig, damit ich am Montag und Dienstag eine kleine Chance habe die Zwischenprüfung zu bestehen, aber vielleicht werden sie ja verschoben. So war es am Donnerstag, als eigentlich die mündliche Prüfung anstand und wegen der wir am Mittwochabend Monika vesetzen mussten, denn wir mussten ja lernen. Total nervös machten wir uns am Donnerstagmorgen auf den Weg zur Uni und alles umsonst. Zwei Minuten vor der Stunde sagte unsere Laoshi (Lehrerin) dass die Prüfung am Montag stattfindet. Na prima. Aber ich glaube nicht, dass es uns nochmal so gehen wird.

Wenn ich die Nachmittage nicht mit lernen verbringe, so gehe ich mit meinen Walking-Stöcken durch den Park und ziehe immer noch verwirrte Blicke auf mich. Aber die Chinesen machen Fortschritte, am Donnerstag haben mich zwei alte Chinesen ermutigt weiterzumachen und mich freundlich gegrüßt.

Hab gerade eine kleine Pause gemacht um einzukaufen. Obst und Gemüse ist hier soooo billig. Für nicht einmal 3,00€ kaufte ich Zucchini, Blumenkohl, Eisbergsalat, Tomaten, Kartoffeln Äpfel, Mandarinen, Mantou (Hefeklöse) und noch ein Gemüse dessen Namen ich nicht kenne.

So, hab ich Euch jetzt neidisch gemacht?

Schau mir grad noch die Heute-Nachrichten an (muss ja auf dem Laufenden bleiben) und lern dann gleich weiter.
Also, habt ein schönes Wochenende!

Freitag, 24. Oktober 2008

Snoopy's Story

Und, wartet ihr schon sehnsuechtig auf eine neue Story?
Ich habe ja lange nichts mehr von mir hoeren lassen, was aber einfach darin begruendet liegt, das bei uns einfach nichts passiert. Einfach nur Alltag.

Also momentan koenntet ihr keinen von den Abenteurern auf den Strassen Pekings entdecken. Die eine Heldin haelt ein Nickerchen, die andere hats sichs gerade unheimlich gemuetlich gemacht: sitzt hier in einer Snoopyschlafanzughose und dicken Stiefelhausschuhen, hat sich Schuster-Omas Schokopulver zu einem heissen Getraenk geruehrt (seltenes Vergnuegen, haben fast nie Milch im Haus, wird immer so schnell schlecht) und knabbert ein paar frisch in der Pfanne angeroestete noch knisternde Erdnuesse - perfekt geschuetzt also gegen die Kaelte in den koeniglichen Schlafgemaechern.
Bin gerade (wieder mal) von der naechsten Reparaturannahmestelle mit meinem geflickten Drahtesel heimgekehrt.
In den letzten 2 Wochen ist mir die Kette gerissen, die linke Pedale abgefallen, haben sich die Bremsen gelockert und der Hinterreifen geplatzt. Aber ich lieb es immer noch. Bis es unter mir zusammenbricht.
Tanja ist zur Zeit mit der Aufklaerung der Chinesen beschaeftigt. Denn, Freunde, ein neues Zeitalter ist angebrochen! Und das hat neben MP3 Playern und Castingshows auch etwas anderes hervorgebracht:
Nordic Walking.
Respekt Tanja - ueberholen ohne einzuholen.
Am Dienstag wurde ich meines Amtes als Deutschlehrerin fuer eine 8-jaehrige Chinesin enthoben und per Mail abgespeisst mit den Worten: "Wir finden trotzdem, dass Sie eine nette und unangenehme Studentin sind."
Da Du Mei Yan und mein Vorhaben, letzte Woche nach Tianjin zu fahren, scheiterte (keine Fahrkarten fuer die naechsten 6 Zuege) machen wir uns nun morgen auf, die Hafenstadt zu erkunden. Stattdessen verbrachten wir etwas Zeit vorm Affengehege des Beijinger Zoos - es war aber leider ziemlich traurig, nochmal werde ich da nicht hingehen.
Jetzt ruf ich erstmal meine Schwesterherz an - die Gute hat Ferien, und da wirkt sich zu langes Schlafen ja bekannterweise auf die Laune aus, richtig?
Heisse Schokolade ist alle. Oh nein!

Nachtrag:
Ich glaub ich spinne. Steig ich auf mein Fahrrad um ins Studio zu fahren und denk:
"Maedel, hier ist was komisch" - 5 Stunden nachdem ich den Reifen hab auswechseln lassen ist er schon wieder so platt wie ne Flunder -
apropo: habt ihr im Fernsehen anhand Frau Merkels stuermiger Friseur gesehen wie sehr es bei uns um die Ecken gepfeift hat? Leider sind wir ihr noch nicht begegnet. Aber
wir halten die Augen offen!

Montag, 20. Oktober 2008

Ach wie schön ist doch das Erzgebirge

Am Samstag plante mein Kurs einen Ausflug zum Xiangshan 香山 (Duftberg). Ich habe gerade gegooglet um Euch ein paar Infos zum Berg zu geben. Dabei bin ich auf folgende Beschreibung gestoßen:

Xiangshan-Park
Xiangshan bedeutet "Duftberg", doch nicht der Berg duftet hier, sondern sein Gipfel sieht aus wie ein Gefäß, in das im Tempel Räucherstäbchen gesteckt werden. Und hinauf kommt man heutzutage vom Nordtor aus mit dem Sessellift.Schon seit mehr als tausend Jahren werden an dieser Erhebung in den Westbergen Tempel, Pagoden, Pavillons, Tore und Villen gebaut, für einsame Eremiten, aber auch für die Bewohner der Hauptstadt, die vor allem im Sommer der Hitze in die kühleren Berge entfliehen wollen. Auch im Herbst kommen zahlreiche Ausflügler und ergötzen sich an den satten roten Blättern der Ahornbäume an den Abhängen (
http://www.schwarzaufweiss.de/peking/xiangshan.htm).

Geplant hat diesen Auflug unser "Klassensprecher" - ein Thailänder. Er und sechs Koreaner sowie Matti und ich schlossen sich dem Ausflug an. Treffpunkt 08:30 auf dem Campus. Wir sind dann doch schon um 09:15 losgelaufen - in Richtung U-Bahn um anschließend mit dem öffentlichen Bus zum Ziel zu fahren. Die ganze Reise dauerte zwei Stunden - stehend und wie die Ölsardinen eingequetscht natürlich. Das Ziel von Natur und Ruhe vor Augen überstanden wir die Fahrt, auch wenn's schwer war, denn kurz vorm Ziel waren die Fußgänger schneller als der Bus.

Gegen halb zwölf kamen wir also am Fuße des Berges an. Dort ahnten wir schon, was uns erwarten wird. Natürlich gab es hier tausende Souvenier- und Fressstände - mit schöner elektronischer Beschallung, welche jegliche Tiere in der Umgebung vertreibt. Egal, oben kann es nur besser werden. Matti und ich lösten uns aber zuerst von der Gruppe, denn wir wollten noch am gleichen Tag hoch und wieder runter...

Leider ging der Aufstieg (wir entschieden uns gegen den Sessellift) langsamer und beschwerlicher voran als wir hofften. Klar, wir wollten nicht rennen, aber die Pausen hätten wir gern selbst bestimmt. Bewegungsfreiheit, wie ich es vom "Aufstieg" zum Kunnerstein gewöhnt bin, konnten wir hier leider nicht erleben -und ist auch an einem Wochenende nicht zu erwarten. So verließen wir zwischendurch hin und wieder den Weg und kämpften uns durch den Wald nach oben. Da meine körperliche Fitness jedoch zu wünschen übrig lässt, ließen wir uns den Rest des Weges zum Gipfel im Strom der zwei Millionen Chinesen um uns herum treiben.

Wann wir angekommen sind weiß ich schon gar nicht mehr. Ich kann mich nur noch erinnern, dass ich schnell wieder runter wollte, denn soviel Leute auf einem Haufen habe ich selbst in China noch nicht erlebt. Von in Ruhe den Blick auf Beijing genießen konnte keine Rede sein. Die Chinesen haben es sich überall gemütlich gemacht, ihre Fresspackete ausgepackt, sich auf Zeitungspapier gesetzt, gepicknickt und Karten gespielt.
Wir zwei Deutschen wollten also schnell zurück, irgendwohin wo es ruhiger ist. Der ganze Park ist aber so verschachtelt, dass wir ewig umherirrten um einen Weg nach unten zu finden. Den selben wie hoch wollten wir auf keinen Fall wieder runter. Und die Variante Seilbahn hat sich beim Anblick der ca. 1000 Meter Menschenschlange gleich erledigt.
Wir hatten Glück. Endlich fanden wir, wo nach wir so lange suchten: einen ruhigen Weg mit wenigen Menschen von dem aus man in Ruhe auf Beijing schauen konnte und auch etwas rotes Herbstlaub sah. Der Blick auf Beijing war interessant, jedoch hätte ich mir gern erspart die Smog-Glocke, die wir immer schon in der Stadt spüren, in voller größe zu sehen.
Am End war es ein anstrengender, aber doch noch ganz schöner Auflug.
Den Tag beschlossen wir mit einem Peking-Ente-Essen (烤鸭).
Fazit:
1. Beijing am Wochenende nicht in Richtung Ausflugsziele verlassen.
2. Zum wandern ist das Erzgebirge schöner, ruhiger und die Luft ist sauberer, was schönere Aussichten zur Folge hat.
Da meine Kondition irgendwo auf dem Flug nach China verloren gegangen ist, habe ich mir, unten wieder angekommen, gleich ein paar Walking Stöcke gekauft und bin gestern gleich 1 1/2 Stunden gewalkt. Durch den Park in unserer Nähe. Die Chinesen haben nicht schlecht gestaunt, was die komische Langnase da macht. Bin gespannt, wann mir der erste Chinese mit Stöcken entgegenkommt - lauf da ja jetzt öfter lang ;-)

Montag, 13. Oktober 2008

Jetzt komm ich

Werde hier ja ganz gewaltig unter Zugzwang gesetzt. Du hast es nicht anders gewollt!
Jetzt kommen wir also zur detaillierten Ausfuehrung jener Ereignisse, die Wen Danya in ihrer Euphorie entfallen sind.

Geburtstagsparty!!! Unser verehrter Kollege Xi Yue hat letzte Woche ein zartes Alter von 23 Jahren erreicht. Zelebriert wurde das ganze in guter deutscher Manier: mit Rostern, Steaks (vom Chef persoenlich tags vorher eingelegt), Kartoffelsalat, echten Broetchen, Kuchen und sauren Gurken. Alle Geladenen waren schwer begeistert von Xi Yues fantastischen Gastgeberqualitaeten - wenn wir auch ein Grillfest ohne entsprechende Geraetschaft veranstalten mussten, da offizielle amtliche Genehmigung nicht erteilt worden war.

Shanghaier sind da!!! Freitag Mittag schlugen sich doch tatsaechlich Lu Shanli, Alin, Du Mei Yan + ich gemeinsam tratschend in unserer Lieblingskneipe die Baeuche voll und tauschten ihre Eindruecke von der Fremde aus. Die Maedels sind einer Einladung vom DAAD (unserer "Vermittlungsagentur") gefolgt und haben uns im hohen kalten Norden einen Besuch abgestattet. Abends ging das grosse Fressen zusammen mit ca. 100 deutschen Studenten weiter. Lecker! Hinterher Sanlitun, Cocktails trinken. Samstag lauschten wir gebannt Vortraegen der AHK und eines dts. Journalisten, bevor wieder zur Nahrungsaufnahme und dann zu erwaehnter Bustour gerufen wurde. Ich hab mich hinterher rar gemacht und bin ins Bett. Wie kann man nur soviel essen, Leute?
Gestern vormittag machten Du Mei Yan und ich uns schick und suchten eine Jobmesse im German Center auf, um uns nach etwaigen Praktikumsplaetzen umzuhoeren. Das wird noch ein Kampf, Genossen. Nach erfolgreichen Einkaufbummel und Starbucks Caramel Macchiato hab ich anschliessend (allein!) mit Vermieter verhandelt und neuen Toilettensitz rausgeschlagen. Tag endete in mehrstuendiger Lerneinheit mit Monika, die mich 50 mal das Wort Deguo (Deutschland) hat singen lassen (waehrend ich meine Hand an ihre Kehle gehalten hab um Vibrationen zu empfangen) - ich krieg die Toene einfach nicht hin. Aber ich uebe!!!
Matti hat sich heute mein Fahrrad geliehen um sich die Stadt mal aus der Perspektive des 2. schwaechsten Verkehrsteilnehmers anzuschauen - ich hoffe, er kommt heil zurueck.
Gib Gummi, Matti!

Sonntag, 12. Oktober 2008

Empfang in der Botschaft - die Zweite

Oh man, waren die letzten Tage ereignisreich. Weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Am besten am Anfang und das war am Donnerstag.
Nach einigem hin und her war es endlich soweit und mein Vorstellungsgespräch in Wuxi sollte am Freitagmorgen stattfinden. Also machte ich mich Donnerstagnachmittag auf dem Weg zum Bahnhof, damit ich noch genug Zeit habe mich zurecht zu finden. War auch ganz gut so, denn auch der Hauptbahnhof in Beijing ist natürlich riiiiiiieeeßig. 19:56 fuhr dann der Nachtzug in Richtung Shanghai (mit Zwischenstopp Wuxi) ab. Ich war ganz froh, dass ich mir eine Soft-Sleeper-Fahrkarte gekauft hatte, denn so bot sich mir tatsächlich die Möglichkeit ein wenig zu schlafen. Die Zugfahrt verlief ganz gut, nur dass ich etwas unruhig geschlafen hab, aus Angst meinen Zielbahnhof zu verpassen. Eine Durchsage gab es nämlich nicht, es war viel mehr ein Durchruf. In Wuxi angekommen, merkte ich, dass ich ca. 1.300km südlich von Beijing bin, denn die Temperaturen waren viel höher und meinen neuen Wintermantel brauchte ich hier wirklich nicht. Der erste Gang war zum Ticket-Schalter, denn ich wollte am Abend ja zurückfahren und von Beijing aus ist es nicht möglich das Ticket zu kaufen. Naja, dachte ich, ist ja egal ob ich auf dem Heimweg einen Schlafplatz habe oder nicht, hauptsache zurück. Da war auch schon das erste Problem, denn die Frau hinter dem Schalter meinte nur: "mei you" - zu gut deutsch: hammer nich. Verdammt! Okay, geh ich mal zum nächsten Schalter, vielleicht hab ich da ja mehr Glück. Nur so halb, denn an diesem Tag gab es tatsächlich keine Zugtickets mehr, nicht mal mehr Holzklasse-Sitzplätze. Die nächste Möglichkeit wäre Samstagabend. Nützt ja nichts, ich wollte ja irgendwann nach Beijing zurück, also kaufte ich das Ticket. Jetzt also noch ein Hotel finden. Das hatte aber noch etwas Zeit, erstmal brauchte ich nen Kaffee - ab zu McDonalds (geh da wirklich nur zum Frühstück hin :-). Die Hotelsuche gestaltete sich leider auch schwieriger als erwartet. Das erste Hotel in dem ich war war ausgebucht. Die Rezeptionistinnen im zweiten Hotel hielten mir einen Zettel hin, auf dem stand, dass sie keine Ausländer akzeptieren können und das Hotel nur für Einheimische sei. Na prima, und nu? War mir erstmal egal, ich hatte noch etwas Zeit und setzte mich vor den Bahnhof, dort wurde ich noch angebettelt (ich sah in meinem Anzug wahrscheinlich so aus als hätte ich Geld). Jetzt reichte es mir, bin ins Taxi gestiegen und hab mich auf den Weg zu meinem Praktikums-Vorstellungsgespräch gemacht. Dies verlief echt super. Ich hab sogar eine Werksführung bekommen. Am Ende haben wir uns darauf geeinigt, dass ich den Praktikumsplatz bekomme und am 02.Februar beginne. D.h. ich ziehe nach Wuxi um! - Wer mich nächstes Jahr besuchen möchte, kann dies gern dort tun :-) Wuxi ist eine nette kleine Stadt mit 5,6 Millionen Einwohnern. Es gibt einen recht großen See, der touristisch viel zu bieten hat. Shanghai ist nur 1,5h mit dem Zug entfernt und auch Städte wie Hangzhou, Suzhou und Nanjing sind wohl nicht soweit weg. Ihr seid also herzlich eingeladen!!!
Während des Gesprächs erwähnte ich, dass ich noch einen Tag in Wuxi verbringe, was dazu führte, dass ich einen Heimflug (nach Beijing) noch am selben Abend bekam.
So war ich also eine Nacht früher zurück und konnte Matthi, unseren zweiten Besucher, am Samstag in Empfang nehmen. Kaum war er angekommen mussten wir auch schon los - zum Stipendiatentreffen, welches an diesem Wochenende vom DAAD organisiert wurde. Was genau alles stattfand wird meine Lieblingsmitbewohnerin noch kund tun :-)
Jedenfalls mussten Matthi und ich also gleich los, denn für den Nachmittag war eine Bustour geplant "Beijings New Architecture". Die nächsten vier Stunden verbrachten wir also im Bus, war für uns nicht schlimm, kannten wir ja schon aus der Inneren Mongolei. Wir führen vorbei am Olympia Park, an dem wir auch kurz für eine Foto-Session hielten, durch das neue Finanzzentrum bis zum National Grand Theater -dort wieder kurzer Stopp - weiter zum New Soho - einem weiteren neuen Business District und landeten am Ende wieder in Sanlitun - dem Botschafts-Viertel. Dort hatten wir noch ein wenig Zeit um uns umzusehen bzw. zur Deutschen Botschaft zu laufen, denn hier war 19:00 Uhr (mal wieder) ein Empfang organisiert. Nach kurzem Plausch mit dem Stellvertretenden Botschafter und zwei kurzen Reden wurde das Buffet eröffnet. Das reinste Schlaraffenland. Es gab alles was wir in den letzten sieben Wochen nicht gegessen hatten: Baguette, Laugenbrez'n,Roster, Schnitzel, Lasagne, Spätzle, Rindergulasch, Kartoffelsalat, Nudelsalat, Gurkensalat, Kuchen, rote und grüne Grütze, Vanille Pudding und frischgezapftes deutsches Bier. Wie oft ich am Buffet war verate ich an dieser Stelle nicht, das würde nur ein schlechtes Licht auf mich werfen :-)
An diesem Abend bin ich besonders satt und glücklich ins Bett gefallen.
Heute dann Sightseeing mit Matthi: Himmelstempel und Tian'anmen (Platz des Himmlichen Friedens). Details und Fotos gibt's später nochmal. Jetzt muss ich los, ihn in der Wangfujing treffen, damit wir zum Nachtmarkt laufen können.

Montag, 6. Oktober 2008

Tianjin

Dank unseres Besuchs aus Klingenthal hatte ich am Wochenende das Vergnügen dem 3. Internationalen Akkordeon-Festival (Wettbewerb) in Tianjin beizuwohnen.


Tianjin ist 137 km von Beijing entfernt und mit dem Zug in 30 Minuten erreichbar. Soweit so gut. Mit dem Kauf von Zugtickets habe ich ja bereits Erfahrung. Blöd nur, dass die im Reisebüro mir keines nach Tianjin (und schon gar nicht zurück) verkaufen wollten. So blieb mir also nur noch eins übrig, am Samstagmorgen zum Südbahnhof zu fahren und dort auf gut Glück eine Fahrkarte zu erwerben. Ich also mit U-Bahn und Taxi zum Südbahnhof. Dort angekommen, dachte ich der Taxifahrer hat mich falsch rausgelassen. Sah das dort doch sehr nach Flughafen aus und nicht nach Bahnhof. Wie sich herausstellte, war ich doch richtig und bekam sogar ein Ticket. Wobei ich schon ein bisschen beleidigt war. Hatte ich doch extra den Satz "Wo yao mai yi zhang piao cong Beijing dao Tianjin" - ich möchte ein Ticket von Peking nach Tianjin kaufen - gelernt und schön aufgesagt, antwortet mir die Dame hinter dem Schalter plötzlich auf Englisch. Jedenfalls hatte ich mein Ticket und wollte zum Gleis - denkste, die -Zugänge zu den Gleisen werden erst 15 min vor Abfahrt des Zuges geöffnet. Hat den Vorteil, dass man nicht in den falschen Zug einsteigen kann (funktioniert alles automatisch über Ticket und Lesegerät - vermutlich über RFID, denn ein Barcode ist auf'm Ticket nicht zusehen). Irgendwann saß ich dann im Zug, vorher konnte ich aber noch sehen, wie die Sitze in Fahrtrichtung gedreht wurden - coole Erfindung, denn dadurch ist auch mehr Beinfreiheit garantiert. Das Beste überhaupt war aber, dass im Ticketpreis auch noch eine kleine Flasche Mineralwasser enthalten ist, die einem die freundlichen Zugbegleiterinnen an den Platz bringen.
In Tianjin angekommen, holte Nadja mich am Bahnhof (fast hätte ich Flughafen geschrieben) ab. Wir fuhren ins Hotel, in dem es auch ein Mittagessen gab. Interessanterweise, bekamen wir unseren gebratenen Gemüsereis nur, nachdem wir mehrfach auf "unseren" Gastgeber gezeigt haben und dieser zu unserem Tisch kam. Plötzlich geht doch alles...
Nachdem Essen ging's zum Akkordeon Wettbewerb - ist schon interessant.
Anschließend hatten wir noch das Vergnügen die chinesische Gastfreundschaft zu genießen. WangXue - hat uns eine Führung durch die Kulturstraße in Tianjin gegeben und lud uns dann zum Essen zu sich nach Hause ein. Immerhin hat er seine Tante, bei der er wohnt, zwei Stunden vorher angerufen. Das Essen war lecker, kandierte Süßkartoffel, Hühnerbeinchen und Jaozi hmmmh.
Viel Zeit hatten wir leider nicht, denn wir mussten zurück zum Konservatorium, denn 19:00 Uhr gaben Julien Gonzales und Cyril Blanchard (den Kennern der Szene sind die beiden bestimmt ein Begriff) ein Konzert. Was sich da im Saal abspielte kann ich gar nicht mit Worten beschreiben. Schaut es Euch einfach an:

Um das Erlebte zu verarbeiten gingen wir noch ein bisschen spazieren. Kamen nur bis zum nächsten Supermarkt, in dem es super leckere Schokokekse gab und -haltet Euch fest - es gab auch Sauerkraut von Kühne, Saure Gurken, Salatfix und Marmelade von Schwartau Extra. Da ich nicht alles mit nach Beijing nehmen konnte (meine Handtasche wäre sonst echt schwer geworden) kam es also, dass ich zwei Gläser Sauerkraut mit nach Beijing gebracht habe. Ihr glaubt nicht wie sich meine Lieblingsmitbewohnerin gefreut hat.

Der Sonntag war total verregnet, so dass ich es vorzog doch nochmal mit zum Wettbewerb zu gehen und erst am Nachmittag mit Nadja nochmal in Ruhe durch die Kulturstraße spazierte. Dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen - mein Zug ging wieder zurück nach Beijing und Nadja musste zur Abschlusszeremonie und zum anschließenden großen Essen (vielleicht kannst Du ja nen kurzen Kommentar zum Essen schreiben, Nadja?).
An dieser Stelle möchte ich mich nochmal bei Nadja und Thomas für das Wochenende in Tianjin bedanken.

Jetzt wisst ihr also, was ich am Wochenende so getrieben habe. Nun heißt es aber wieder Zeichen lernen, denn die Uni ist heute wieder los gegangen.

Samstag, 4. Oktober 2008

Von mir fuer euch

Hi Fans, Berichterstattung von der Susi ist wieder mal angesagt. Hat ja fuer uns alle nur Vorteile - ihr lacht euch scheckig und ich kann Erlebnisse aufarbeiten. Also gehts los jetzt:

Die erste Geschichte, die ich euch erzaehlen will, handelt von 2 kleinen Maedels, die sich zusammen auf ihre Drahtesel geschwungen haben und aufgrund grandioser Orientierungsfaehigkeiten bis zum Tiananmen gefunden haben. Und das ist eine Strecke von 2 Stunden, meine Freunde. Unterbrochen wurde die rasante Fahrt zwischen BWMs und Pferdekutschen, zwischen millionenschweren Hochbauten und charismatischen Hutongs durch 2 kleine Zwischenfaelle, die ich leider auf meine Kappe nehmen muss. Der Schluesselsatz lautet: "Du Mei Yan, hier ist was komisch!"
Mein geliebtes Fahrrad leidet in seinem jungen Alter an ein paar Gebrechen - erst ist eine Mutter abgeflogen mit anschliessendem Versagen des Vorwaertsganges, dann ist mir mitten auf einer 6-spurigen Kreuzung die Pedale abgekracht - ich verspuerte in dem Moment doch ein leichtes Gefuehl von Panik - aber alles ging gut aus, keine Sorge, fahrende Reparaturwerkstatt brachte alles fuer 5 Euro wieder ins Lot.


Der Ausflug an sich war absolut klasse, zwischendurch gabs sogar Kartoffelpuffer, fast wie bei Mama, das war sooooo lecker. Haben uns einen Ueberblick verschafft vom historisch wertvollen Herzen Chinas und einem Haufen Chinesen Bilder von 2 verrueckten Europaern zum Rumzeigen bei der naechsten Party geliefert.

Den zweiten Vorfall, den ich auch mein Leben lang nicht vergessen werde, kann ich euch natuerlich nicht vorenthalten. Oeffnet euren Horizont und stellt euch folgende Szene vor:
Eure Blase ist voll mit Bier und Schnaps. Ihr habt alles an, was ihr in eurem Rucksack verstauen konntet (neben anderen essentiellen Dingen wie Wasser, Keksen, Stolz und Vorurteil, feuchten Tuechern). Ihr friert trotzdem. Eure Fuesse sind eiskalt, trotz Kuschelsocken, und die Blase drueckt unaufhaltsam. Um euch herum die Leiber 5 weiterer Abenteurer, dicht an dicht gedraengt um von der Koerperwaerme des anderen zu profitieren, und wenn es ein Pups ist. Ausserhalb eurer Behausung breitet sich die schier unendliche mongolische Steppe aus. Ihr liegt auf hartem Holz und einem Koernerkopfkissen in der totalen Dunkelheit, wartet auf die erloesende Betaeubung des Schlafes.
Ploetzlich faengt die Erde um euch herum an zu beben, in wilder Hast naehern sich bedrohliche Schlaege, die dich so in Angst versetzen, dass du sogar vergisst, dir in die Hosen zu machen. Es kommt naeher. Viel naeher. Du vergisst zu atmen. Es kommt...
verpasst euch knapp und donnert schwerschnaufend vorbei.
Und jetzt stellst du dir vor, dass ein paar Sekunden, nachdem man ausser Gefahr zu sein scheint, von ganz hinten rechts jemand die Worte von sich gibt:
"That ... ... ... was not a chicken."